Konzept für die Ganztagesklasse
vorgelegt von
Dorothea Weier
Eichendorffstraße
11
91080 Uttenreuth
„Eine
Stunde für mich!“
Allgemeine Vorüberlegungen:
„Eine Zeit zum
Schweigen und eine Zeit zum Reden…“ Kohelet 3, 7c
Von morgens 8.00
Uhr bis am Nachmittag um 16.00 Uhr in der Schule sein und nie wirklich zur Ruhe
zu finden, ist ziemlich belastend.
Die meisten
unserer Schüler/innen finden selbst im Unterricht nicht zur Ruhe, weil dafür
nie Zeit ist. Die permanente Berieselung durch MP3-Player und Fernsehen, der
natürliche Lärm im Klassenraum und im Umfeld trägt kaum dazu bei, wirklich
Stille und Ruhe zu erleben und Zeit für sich zu haben.
„Kinder brauchen
heute mehr denn je die Erfahrung der Stille.
Ganz und gar bei sich und bei der Sache zu sein, sich zu sammeln und zu
begrenzen in der Vielfalt angebotener Erlebnisse, ist ihnen ein Bedürfnis, wenn
sie erfahren haben, wie gut das tut.“[1]
Darum habe ich die
Idee entwickelt, eine fest in den Stundenplan einfügte Stunde anzubieten, in
der den Kindern eine Zeit für sie selbst reserviert ist, eben eine Zeit der
Stille. Die feste Verankerung im Stundenplan ist eben auch wichtig, weil
Stilleübungen sich am Prinzip des Einfachen und Wiederholbaren orientieren.
„Die Entdeckung
der Stille in ihrer ganzen Vielschichtigkeit zielt nicht auf Verinnerlichung
und Rückzug aus der Welt, sondern auf Nachdenklichkeit und Sensibilisierung für
die Welt und kann für Kinder (und Jugendliche) zu einer befreienden Erfahrung
werden.“[2]
Es geht nicht
darum, die Schüler/innen zu disziplinieren, sondern sie sollen mit
Stilleübungen vertraut gemacht werden.
Sinnesübungen
gehören ebenfalls in diese Stunde. Sie werden durchgeführt, in dem die
Schüler/innen eine Grundhaltung einüben, wie bequemes Sitzen, freies Atmen, die
Augen ruhig auf einen Punkt richten und vieles mehr.
„Eine Stunde für
mich“ bietet Raum für regelmäßige Meditationen, die im normalen Schulalltag
eher selten Platz finden.
„Die Meditation
macht es den Jugendlichen möglich, ihr inneres Zentrum zu erleben. Das
seelische Leben von Jugendlichen ist ja in hohem Maße von Unsicherheit geprägt.
(…) In diesem oft anstrengenden Entwicklungsprozess ist es hilfreich, wenn sie
innere Ruhe und ein Empfinden für ihren stabilen inneren Kern entwickeln
können. Wenn die Jugendlichen mit Hilfe der Meditation ihr Zentrum spüren, dann
gewinnen sie an Stärke, um all die Veränderungen in ihrem Leben durchzustehen.“[3]
Meditationen
tragen dazu bei, dass Jugendliche ihre Intuitionen wahrnehmen lernen, die im
normalen Alltag oft überdeckt bleiben. Dann können sie diesen auch vertrauen,
was zu einer stabileren Persönlichkeitsentwicklung wesentlich beitragen kann.
Es trägt auch dazu bei, eigenes und fremdes Verhalten zu beurteilen, die
Vorgänge des Alltags analysieren zu können und zukünftiges Verhalten innerlich
durchzuspielen, also wirklich zu wissen, was man für sich will. Problemlösendes
Denken wird gefördert.
Meditationen
schulen die Aufmerksamkeit nach innen und außen. Menschen werden wissbegieriger
und neugieriger.[4]
Fantasiereisen,
die in diesem Rahmen verstärkt angeboten werden können, fördern ebenfalls die
Konzentration, die Fantasie und die Kreativität der Schüler wie die Stärkung
der Persönlichkeit und deren Autonomie.
Ich sehe in dieser
Stunde einen Gewinn für die Schüler/innen.
Persönliche Voraussetzungen:
Die beschriebenen
Übungen praktiziere ich selbst und merke, wie gut mir das tut. Meditationen
biete ich in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kollegin an und bringe vom
Fach Religion die entsprechenden Fähigkeiten zur Durchführung mit. Dort baue
ich solche Elemente verstärkt in den Unterricht ein. Ich selbst finde
Meditationen, Stille und Fantasiereisen als sehr wohltuend.
Meditationen, die
wir zeitweise in der Fasten- und Adventszeit oder neuerdings zum Beginn des
Schuljahres anbieten, werden von den teilnehmenden Schüler/innen als sehr
wohltuend empfunden.
Grundlegend für
meine Arbeit mit den Schüler/innen ist das Buch von Klaus Vopel, Meditationen
für Jugendliche, ebenso das Buch „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, vom
gleichen Autor.
Zudem kann ich aus
einem sehr tiefen Fundus an Fantasiereisen und Gegenstandsmeditationen
schöpfen.
Räumliche Voraussetzungen:
Vorstellen könnte
ich mir als Raum unseren „Filmsaal“, den größten Raum der Schule, der gut
abzudunkeln und technisch sehr gut ausgestattet ist. Dort habe ich einen
Schrank und kann mein Material entsprechend deponieren.
Der Raum ist mit
Tischen und Stühlen versehen, die variabel gestellt werden können. Anschaffen
möchte ich Gymnastikmatten, damit Schüler/innen auch im Liegen meditieren oder sich einfach mal auf den Boden setzen
können. Größere Unkosten sehe ich nicht.
Material, das ich
für diese Zwecke im Unterricht benutze, kann hier auch verwendet werden.
Für die
Durchführung im Filmsaal spricht ebenfalls, dass ich den Raum vorher
entsprechend vorbereiten und die Schüler/innen in Ruhe empfangen kann.
Stundenplantechnische Voraussetzungen:
Damit ich alle
Schüler/innen erreiche und weil ich die Theater-AG auch für
Ganztagesschüler/innen offen halten möchte, kann ich dieses Angebot nicht als
AG einbringen.
Es soll
längerfristig sein und regelmäßig. Daher ist eine feste Verankerung im
Stundenplan nötig (evtl. vormittags 5. Stunde).
Wenn
Förderunterricht seitens der Klasslehrer möglich ist, werde ich diese Stunde
jeweils für eine halbe Klassenstärke vierzehntägig anbieten. Das bedeutet, dass
ich fest jede Woche zur gleichen Zeit eine Gruppe in dieser Weise begleite.
Sollte das nicht
möglich sein, übernehme ich die ganze Gruppe jeweils wöchentlich. Dann muss ich
anders vorgehen, kleinschrittiger und brauche die entsprechende Zeit.
Was ist geplant?
Geplant ist, dass
ich erst mit der neuen 5. Klasse beginne und in den darauffolgenden Schuljahren
bis zur 7. Klasse diese Stunde anbiete. Ob das dann tatsächlich noch jede Woche sein
wird, muss überlegt werden. Möglich ist auch eine freiwillige Teilnahme ab der
7. Klasse.
Wer ist informiert?
Über das Vorhaben
sind die Klasslehrerinnen der zukünftigen 5. Klassen und der jetzigen 5. Klassen
informiert. Das Vorhaben wird von den Lehrerinnen befürwortet.
Weiterhin
ist die Schulleitung informiert und befürwortet das Vorhaben ebenfalls.