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Das Bild stammt aus der Veröffentlichung in yadvashem |
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Iwan
Weinstock hieß eigentlich Isaak Weinstock. Weil er so genannt
wurde, findet man überall den Vornamen "Iwan". Er wurde
am 11. März 1859 in Rödelheim geboren.
Iwan Weinstock engagierte sich in der Erlanger jüdischen Gemeinde. Er gehörte zu deren Administratoren. Sicherlich
war Iwan Weinstock nach 1933 auch anderen Repressionen ausgesetzt. Im
Frühling 1933 begann eine große Boykottaktion
gegen jüdische Geschäfte. Wie überall positionierten
sich in Erlangen Nationalsozialisten vor jüdischen Geschäften
und verhinderten, dass Menschen dort weiter einkaufen konnten. Ähnliche
Bilder wie hier
gab es sicher auch in Erlangen. Umso erstaunlicher ist es, dass Iwan
Weinstock sein Geschäft erst 1939 verkaufte, laut seines Enkels
Ernest Holzmann. "Warum so spät?", haben wir uns gefragt.
Ernest Holzmann meinte, dass sein Großvater immer von dem überzeugt
gewesen wäre, was er tat. Er hätte sich sicher nicht von den
Nazis einschüchtern lassen oder sich ihrem Willen gebeugt.
Nach dem Verkauf seines Geschäftes, zog er nach Nürnberg.
Wir wissen, dass er zunächst zu seiner Tochter Ida zog (siehe Erinnerungen
von Ernest Holzmann) und dann, als diese mit ihrer Familie emigrierte,
in ein jüdisches Altersheim in Nürnberg. Von dort hat man
ihn letztendlich nach Theresienstadt deportiert. Frau Ilse Sponsel schreibt dazu: „Das Todesdatum ist nicht bekannt; die Kremation (Verbrennung) erfolgte am 15. 12. 1942 mit der Sarg-Nummer: 6825. Da der Zeitpunkt der Einäscherung bekannt ist, muss man davon ausgehen, dass Iwan Weinstock ca. 5-7 Tage zuvor verstarb.“ Auf dem Stolperstein ist als Todestag der 8. Dezember 1942 festgehalten.
(1)Für das Königreich Bayern wurden Staatsbürgerschaft und Heimatrecht durch die Verfassungsurkunde vom 26. Mai 1818, durch das dieser beigefügte Edict über das Indigenat sowie durch das Gesetz vom 11. November 1825 über Ansässigmachung und Verehelichung geregelt. (2)Der Titel Königlich Bayerischer Hoflieferant wurde von den Bayerischen Königen sowie von Prinzregent Luitpold vergeben. Mit Erwerb des Titels hatten die Hoflieferanten die Ehre, das königliche Wappen zu führen und Mitglieder der Königlichen Familie laufend zu beliefern (3) Ferner wurde es Juden untersagt, „deutschblütige“ Dienstmädchen unter 45 Jahren zu beschäftigen; Hintergrund war die ideologische Unterstellung, „der Jude“ würde sich sonst an diesen vergehen. Weitere Information |
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Wir haben viel im Internet recherchiert. Dort fanden wir einen Brief, der an ihn gerichtet war. Leider können wir mit dem Brief nicht verlinken, weil er nicht mehr auffindbar ist. Wir wollen ihn trotzdem hier veröffentliche
Wir, Schüler und Lehrer, haben versucht, den Brief zu entziffern und schafften es auch, dank der tatkräftigen Unterstützung von Herrn Hößl. Wir waren sehr betroffen und tief traurig darüber, dass jemand offensichtlich seine Würde durch einen Suizid zu retten entschlossen ist. Das passierte in dieser Zeit öfter, auch in Erlangen haben einige jüdische Bürger für sich keinen anderen Ausweg mehr gesehen (nachzulesen in "Gedenkbuch für die Erlanger Opfer der Schoa" von Ilse Sponsel). Alle sind Opfer des Holocaust. Die Listen, die sie ausfüllen musste, waren mit großer Wahrscheinlichkeit die Vermögenserklärungen, die Juden damals ausfüllen mussten, bevor sie in ein Konzentrationslager kamen. Mehr über Erna Holzmann findet ihr hier: Ersichtlich wird aus diesem Brief, dass Iwan Weinstock zu ihr eine sehr gute Beziehung hatte. Ob sie verwandtschaftlich miteinander zu tun hatten, blieb lange unklar. Heute wissen wir, dass sie die jüngste Schwägerin seiner ältesten Tochter Ida war, die den jungen Bankier Erich Holzmann heiratete. Dessen Familie (das waren seine Eltern und die jüngere Schwester Erna) lebte in Thüringen (Apolda). Erich Holzmann arbeitete für die Dresdner Bank in Nürnberg, nachdem er unter Einsatz seines Lebens in den letzten beiden Jahren des 1. Weltkrieges für Deutschland kämpfte. Diese Informationen schrieb mir sein Sohn, Ernest Holzmann, ein Enkel von Iwan Weinstock, der heute in den USA lebt. Von ihm wissen wir jetzt auch, dass alle Kinder von Iwan Weinstock dem Holocaust entkommen konnten. Ein Name war uns früher bekannt: Frieda Philipp, geb. Weinstock. Sie ist die 2. Tochter von Iwan Weinstock. Deren Namen kennen wir aus dem Verzeichnis von Yad Vashem, überlebte den Holocaust. Sie bezeugte die Deportation und Ermordung ihres Vaters in Theresienstadt. Frieda Philipp taucht in einer Liste von Zwangsarbeiterinnen in Berlin auf. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte hier: In dem jüdischen Museum in Berlin sind die Fotos der Zwangsarbeiterinnen der Firma Ehrich und Graetz zu sehen, darunter auch das von Frieda Philipp. Mr. Holzmann erzählt von ihr, dass sie erstmal zusammen mit ihrem Mann Hugo und den beiden Kindern Walter und Kurt die oberen Räume der großen Wohnung ihrer Eltern bewohnten. Von ihr berichtet ein Artikel aus den Erlanger Nachrichten. Wie aus dem ganzen Artikel erkennbar ist, sind die Behauptungen der Journalisten reine Schikanen jüdischen Mitbürgern gegenüber und billige Propaganda. Leider hatten sie damals schon manipulierende Wirkung. Ich kann mir vorstellen, dass Eltern leiden, wenn ihren Kindern so viel Boshaftigkeit unterstellt wird, und dass Iwan Weinstock sehr gelitten hat. Er war damals 73 Jahre alt und hätte es verdient gehabt, seinen Lebensabend in Ruhe zu genießen und es im Kreise seiner geliebten Familie zu beschließen. Erinnerungen von Ernest Holzmann, eines Enkels von Iwan Weinstock
Für ihn war diese Zeit sehr schlimm. Seine Familie lebte in einem sechsstöckigen Hochhaus in der Gibitzenhofstraße 31 im Süden von Nürnberg. In diesem Haus waren sie die einzige jüdische Familie unter 11 nichtjüdischen Familien. Er bekam nichts von den Geschehnissen in der "Reichskristallnacht" (Pogromnacht) mit, von dem was seinem Großvater in Erlangen passierte oder seine jüdischen Freunde und Nachbarn erleiden mussten. Als er am nächsten Tag nichts ahnend zur Schule fuhr, sah er im Zentrum Nürnbergs Menschenmengen vor jüdischen Geschäften mit eingeschlagenen Scheiben, die ausgeplündert waren. Er wunderte sich, dass keine Polizei das Eigentum schützte. Weil er eine Deutschschulaufgabe an diesem Tag schreiben musste, hatte er keine Zeit stehen zu bleiben und fuhr direkt in die Schule. Während er die Schulaufgabe schrieb, kam der Turnlehrer, der an seiner Schule für die Nazipropaganda zuständig war, in das Klassenzimmer und sprach kurz mit dem Deutschlehrer. Er war der einzige jüdische Schüler an der Schule. Daraufhin machte sich der Lehrer eine Notiz, kam langsam auf seinen Tisch zu und legte diese über seine Arbeit. Darauf stand: "Wenn du fertig bist, geh nach Hause!" Danach fragte er den Lehrer, ob etwas zu Hause passiert sei, ob er am Montag wiederkommen soll. Er bekam keine Antwort, sondern nur: "Du kannst doch lesen, was auf dem Zettel steht. Das ist alles, was ich dir sagen kann." Danach ging er gleich nach Hause und fand seine Mutter sehr beunruhigt vor, weil seine Brüder nach Hause kamen, aber sein Vater nicht. In der Schule seiner Brüder waren jüdische Schüler, die Horrorgeschichten über die Vorgänge der Nacht erzählt hatten. Sie erzählten, dass Nazihorden mitten in der Nacht gekommen waren und die Familien terrorisierten. Zum Beispiel schnitten sie mit ihren Messern die Federbetten der Kinder auf und verboten den Kindern aufzustehen und die Betten zu verlassen. Bevor er nach Hause kam, hatte seine Mutter schon versucht, ihren Vater zu erreichen, aber niemand ging ans Telefon. Am späten Nachmittag kam dann endlich sein Vater nach Hause. Er erzählte ihnen, was er im Zentrum Nürnbergs gesehen und erlebt hatte. Die Familie Holzmann blieb in ihrer Wohnung und vertraute darauf, dass ihnen, umgeben von nichtjüdischen Familien, nichts passieren würde. Ernest Holzmann schreibt: "So haben wir ängstlich die Nacht verbracht und gehofft und gebetet, dass wir nicht überfallen würden, wie so viele andere." Die Ängste und Sorgen waren berechtigt. Das belegt folgender Zeitungsartikel aus den Nürnberger Nachrichten vom 9. 11. 2008. Samstags erfuhr seine Mutter von Erlanger Freunden, dass ihr Vater in Polizeigewahrsam war. Am nächsten Tag begleitete er sie nach Erlangen. Er sah mit seinen eigenen Augen die unvergesslichen Szenen der Zerstörung im Hause seines Großvaters. Die Türen waren mit Äxten eingehauen, die Möbel, Bilder, das Porzellan, alles war zerstört bis auf den Flügel seiner Tante Lilly. Dieser stand unversehrt im Wohnzimmer. Für Ernest Holzmann sah es offensichtlich so aus, dass er von den Nazihorden, die sonst alles zerstört hatten, weggebracht werden sollte. Er und seine Mutter konnten den Großvater an diesem Tag nicht sehen, weil die Polizei ihnen erklärte, dass er unter Arrest stehe. Seine Mutter sorgte sich, dass Iwan Weinstock einen Herzinfarkt bekäme, wenn er seine zerstörte Wohnung sehen würde. Ernest Holzmann erinnert sich: "Wir mussten zurück nach Nürnberg. Mein Großvater sollte am nächsten Tag entlassen werden. Wir ließen ihm ausrichten, dass er zu uns nach Nürnberg kommen solle. Aber er ging trotzdem zuerst zu seinem Haus, sah die Zerstörung und hat alles überstanden, als der wunderbare Mann, der er war. Er erkannte jedoch, dass er keine andere Wahl hatte, als Erlangen zu verlassen und zu uns zu ziehen." Bald darauf musste Familie Holzmann in ein Judenhaus in der Güntherstraße, nahe dem Luitpoldhain, ziehen. Dort wurde ihnen ein kleines Appartement zugewiesen, in das ebenfalls sein Großvater und sein Cousin Walter Philipp einzogen. Die Mutter von Mr. Holzmann wollte schon längere Zeit nach Amerika emigrieren. Sein Vater aber glaubte, dass die Deutschen Hitler loswerden könnten und sich die Situation normalisieren würde. Doch die Reichspogromnacht und das, was in der Woche mit seiner Familie passierte, änderte dessen Meinung. Da Ernest Holzmann der älteste Junge der Familie war, war er am gefährdetsten. Für ihn ergab sich dann die Möglichkeit mit dem "Kindertransport" über Frankfurt nach London zu emigrieren, wo er zwei Wochen vor dem Angriff auf Polen ankam. Seine Eltern flohen mit seinen 2 Brüdern Ende 1939 über Italien nach Bolivien zu Verwandten, die schon früher geflohen waren. Iwan Weinstock blieb im jüdischen Altersheim. Die Großmutter von Ernest Holzmann starb in Apolda in Thüringen, kurz nachdem die Familie Deutschland verlassen hatte. Seine Tante Erna blieb in Apolda. Der bereits angeordneten Deportation zog sie den Suizid vor. Wie hat Ernest Holzmann seinen Großvater, Iwan Weinstock, erlebte? Gerne wollten wir wissen, was für ein Mensch Iwan Weinstock war und baten Ernest Holzmann, ihn zu beschreiben: "Iwan Weinstock was one of the most loving persons I have ever known." (Iwan Weinstock war einer der liebevollsten Menschen, die ich jemals kannte.) In verschiedenen Geschichten, die er aus seinem Leben erzählt, z. B. seine Hochzeitsreise mit seiner Frau Amalia nach Hamburg, versucht er die Persönlichkeit Iwan Weinstocks zu entfalten. Demnach war er ein sehr geduldiger, liebevoller und geradliniger Mensch. Wenn jemand in seiner Umgebung nicht so funktionierte, wie er sich das wünschte, wurde er nicht böse. Nein, er versuchte dann selbst anzupacken, so dass alles für ihn stimmte. Ernest Holzmann konstatiert: "Yet NEVER A HINT OF ANY COMPLAINT!!!" (Doch niemals war irgendeine Spur einer Klage). Obendrein berichtet er uns über das, was er liebte: Er liebte es, jeden Sonntagmorgen das Hamburger Hafenkonzert zu hören in seinem wunderbar kostbaren Radio. Immer, wenn Ernest Holzmann seinen Großvater besuchte, hatte er große Freude daran, es anzuhören mit ihm oder ohne ihn. Nur wenn der Großvater dann mal nicht dabei war, drehte als er junger, neugieriger Mann gerne an den Knöpfen, um zu sehen, was er sonst noch finden könnte - in Hilversum oder was auch immer. Daraufhin hatte ihn sein Großvater immer ermahnt, es doch nicht zu tun, aber immer wieder "war es zu verführerisch, das "Universum" Radio zu erforschen". Nie hatte Iwan Weinstock seinen Neffen bestraft, nie ausgeschimpft, sondern ihn lediglich gebeten, es das nächste Mal nicht zu tun. Was weiß er über ihn im Alter? Dazu schreibt er: "He never changed - and I am sure he also never changed under the pressure of the Nazi thugs who held him prisoner in Erlangen or Theresienstadt: "He was ALWAYS a friend to those around him, but especially family."(Er hatte sich niemals verändert - und ich bin sicher, er hatte sich nicht unter dem Druck der Naziverbrecher, die ihn in Erlangen oder Theresienstadt festhielten, verändert: Er war IMMER ein Freund allen um ihn herum, besonders seiner Familie. |
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"Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? (...) Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des Herrn im Land der Lebenden. Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn!" Aus Psalm 27 |