Das Bild stammt aus der Veröffentlichung in yadvashem

Wir erinnern an

Iwan Weinstock

Biografie

Iwan Weinstock hieß eigentlich Isaak Weinstock. Weil er so genannt wurde, findet man überall den Vornamen "Iwan". Er wurde am 11. März 1859 in Rödelheim geboren.
Nach Erlangen kam er, um seinem Onkel Sigmund Weinstock im Geschäft zu helfen. Dieser hatte ein Tuchwarengeschäft, damals in der Bankstraße 1 (heute ist das die Calvinstraße 1, direkt gegenüber dem Bahnhof), in dem Iwan Weinstock den Beruf des Textilkaufmanns erlernte.
Am 31. Januar 1895 bekam Iwan Weinstock das Heimatrecht (1) in Erlangen.


Am 22. April 1895 heiratete er in Nürnberg die in München geborene Kaufmannstochter Amalia Grübel. Sie verstarb 1938 in Erlangen und ist auf dem israelitischen Friedhof beerdigt.
Als sein Onkel 1911 starb, wurde Iwan Weinstock alleiniger Inhaber des Textilhauses für Modewaren und Damenbekleidung. Er durfte auch den Titel „Königlicher Hoflieferant“ führen.


Das Ehepaar hatte zusammen 5 Kinder. Die älteste Tochter, Ida, wurde 1896 geboren und die jüngste Tochter, Luise, Lilly genannt, kam 1905 zur Welt. Die anderen Kinder hießen Frieda, Kornelia und Sigmund. Dieser verstarb bereits 1904 im Alter von 2 Jahren. Er ist auf dem Erlanger jüdischen Friedhof wahrscheinlich in einem der namelosen Kindergräber beerdigt worden.
Während des 1. Weltkrieges musste er, wie so viele jüdische Bürger Deutschlands, als 53-Jähriger nicht mehr in die Schützengräben steigen. Dennoch unterstützte er die notleidende deutsche Bevölkerung, indem er sich mehrmals an einer „Annoncen-Aktion“ des Erlanger Einzelhandels im „Erlanger Tagblatt“ beteiligte. Dort war zu lesen: „Um meinen werten Kunden während der Kriegszeit entgegenzukommen, gewähre ich bis auf Weiteres in allen Abteilungen bei Bareinkäufen 10% Rabatt. S. Weinstock, Kgl. Bayer. Hoflieferant.“(2)


Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten, spürte auch er deren Schikanen. 1935 wurde ein Verzeichnis über die in der Stadt lebenden jüdischen Familien erstellt, die zu diesem Zeitpunkt in ihren Haushalten „arisches“ Dienstpersonal beschäftigten. Es ging dabei um die Einhaltung des „Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre".(3) Im Dezember 1935 wurde von einem Erlanger Kriminal-Sekretär über Iwan Weinstock folgendes Protokoll angefertigt: „Weinstock, Isaak (...) hat jeden Vormittag von 8.00-11.00 Uhr Therese Kamerer, Webersfrau, (...) als Zugehfrau beschäftigt. Der Jude Weinstock gab an, dass er ein Gesuch mache, in dem er darum bitte, dass er die Kamerer weiter bei ihm beschäftigen dürfe, weil er doch nicht glaube, das er als 74 jähriger Mann auf sexuellem Gebiete noch gefährlich sei und weil sich kein weiterer Mann, als er in seinem Haushalt befinde.“ Ob er Frau Kamerer weiter beschäftigen durfte, entzieht sich unseren Kenntnissen.

Iwan Weinstock engagierte sich in der Erlanger jüdischen Gemeinde. Er gehörte zu deren Administratoren.

Sicherlich war Iwan Weinstock nach 1933 auch anderen Repressionen ausgesetzt. Im Frühling 1933 begann eine große Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte. Wie überall positionierten sich in Erlangen Nationalsozialisten vor jüdischen Geschäften und verhinderten, dass Menschen dort weiter einkaufen konnten. Ähnliche Bilder wie hier gab es sicher auch in Erlangen. Umso erstaunlicher ist es, dass Iwan Weinstock sein Geschäft erst 1939 verkaufte, laut seines Enkels Ernest Holzmann. "Warum so spät?", haben wir uns gefragt. Ernest Holzmann meinte, dass sein Großvater immer von dem überzeugt gewesen wäre, was er tat. Er hätte sich sicher nicht von den Nazis einschüchtern lassen oder sich ihrem Willen gebeugt. Nach dem Verkauf seines Geschäftes, zog er nach Nürnberg. Wir wissen, dass er zunächst zu seiner Tochter Ida zog (siehe Erinnerungen von Ernest Holzmann) und dann, als diese mit ihrer Familie emigrierte, in ein jüdisches Altersheim in Nürnberg. Von dort hat man ihn letztendlich nach Theresienstadt deportiert.

Aus der Liste über die Opfer der Shoah in Nürnberg konnte ich folgendes entnehmen:
"Record Surname Given name Maiden name Date of birth Place of birth Last residence Date of deportation Place of deportation Destination of deportation Date of death Place of death
2248 WEINSTOCK Isaak, called Iwan 11-Mar-1859 Rödelmaier (Bayern, Unterfranken) Nürnberg, Johannisstraße 17 10-Sep-1942 Nürnberg Theresienstadt 13-Dec-1942 Theresienstadt."
link (Liste, Nr.: 2248)

Frau Ilse Sponsel schreibt dazu: „Das Todesdatum ist nicht bekannt; die Kremation (Verbrennung) erfolgte am 15. 12. 1942 mit der Sarg-Nummer: 6825. Da der Zeitpunkt der Einäscherung bekannt ist, muss man davon ausgehen, dass Iwan Weinstock ca. 5-7 Tage zuvor verstarb.“ Auf dem Stolperstein ist als Todestag der 8. Dezember 1942 festgehalten.


Wir wollen mit dem Stolperstein den Menschen ihre Namen und vor allem ihre Würde wiedergeben, die ihnen von den Nationalsozialisten geraubt wurde. Alle Juden unterschrieben vor der Deportation eine Vermögenserklärung, in der aufgelistet war, was man alles besaß und wer noch im Haushalt lebte. Mit der Unterschrift unter diesem Dokument wurden jüdische Bürger nicht nur ihres Vermögens und Würde beraubt, sondern auch ihres Namens. Ab da waren sie nur noch eine Nummer. Natürlich haben wir uns um die Vermögenserklärung von Iwan Weinstock bemüht. Das Nürnberger Staatsarchiv konnte solche "Bestände" wie Vermögenserklärungen nicht finden. Sie sind auf deren Homepage nicht aufgeführt. Eine entsprechende Antwort erhielten wir auf Anfrage. Das ist sehr schade, denn aus solchen Erklärungen kann man herauslesen, welcher Mensch hinter dem Namen steckt, was er liebte oder was ihm wichtig war.

(1)Für das Königreich Bayern wurden Staatsbürgerschaft und Heimatrecht durch die Verfassungsurkunde vom 26. Mai 1818, durch das dieser beigefügte Edict über das Indigenat sowie durch das Gesetz vom 11. November 1825 über Ansässigmachung und Verehelichung geregelt.

(2)Der Titel Königlich Bayerischer Hoflieferant wurde von den Bayerischen Königen sowie von Prinzregent Luitpold vergeben. Mit Erwerb des Titels hatten die Hoflieferanten die Ehre, das königliche Wappen zu führen und Mitglieder der Königlichen Familie laufend zu beliefern

(3) Ferner wurde es Juden untersagt, „deutschblütige“ Dienstmädchen unter 45 Jahren zu beschäftigen; Hintergrund war die ideologische Unterstellung, „der Jude“ würde sich sonst an diesen vergehen. Weitere Information

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Was unsere Recherche ergab...

Wir haben viel im Internet recherchiert. Dort fanden wir einen Brief, der an ihn gerichtet war. Leider können wir mit dem Brief nicht verlinken, weil er nicht mehr auffindbar ist. Wir wollen ihn trotzdem hier veröffentliche

Abschrift

Apolda, den 2. Mai 1942

Lieber Papa Iwan!

Vielen Dank für Deine lb. Zeilen!

Nun ist es hier doch so weit. Wir haben heute die Listen zum Ausfüllen bekommen, vielleicht ist in 8 Tagen schon alles vorbei.

Da ich nicht die Absicht habe, mitzugehen, möchte ich Dich bitten, Erich auf irgendeine Weise von meinem Ableben in Kenntnis zu setzen. Vor allem muss er wissen, dass er sich später an unseren Vetter Ewald halten soll. Ich hatte Erich selbst früher schon mal Andeutungen darüber geschrieben. Wenn du irgendetwas wissen willst, dann kannst Du dich an meinen besten Bekannten wenden, der zurückbleiben wird, weil er Schwerkriegsbeschädigter ist.

Die Adresse lautet:

Bärnhard Prager, Apolda, Sandgasse 8.

Wenn es möglich ist, grüße alle nochmal von mir und sei selbst herzlichst gegrüßt von Deiner Erna

???, 4. 5. 42

Wir, Schüler und Lehrer, haben versucht, den Brief zu entziffern und schafften es auch, dank der tatkräftigen Unterstützung von Herrn Hößl. Wir waren sehr betroffen und tief traurig darüber, dass jemand offensichtlich seine Würde durch einen Suizid zu retten entschlossen ist. Das passierte in dieser Zeit öfter, auch in Erlangen haben einige jüdische Bürger für sich keinen anderen Ausweg mehr gesehen (nachzulesen in "Gedenkbuch für die Erlanger Opfer der Schoa" von Ilse Sponsel). Alle sind Opfer des Holocaust. Die Listen, die sie ausfüllen musste, waren mit großer Wahrscheinlichkeit die Vermögenserklärungen, die Juden damals ausfüllen mussten, bevor sie in ein Konzentrationslager kamen. Mehr über Erna Holzmann findet ihr hier:

Ersichtlich wird aus diesem Brief, dass Iwan Weinstock zu ihr eine sehr gute Beziehung hatte. Ob sie verwandtschaftlich miteinander zu tun hatten, blieb lange unklar. Heute wissen wir, dass sie die jüngste Schwägerin seiner ältesten Tochter Ida war, die den jungen Bankier Erich Holzmann heiratete. Dessen Familie (das waren seine Eltern und die jüngere Schwester Erna) lebte in Thüringen (Apolda). Erich Holzmann arbeitete für die Dresdner Bank in Nürnberg, nachdem er unter Einsatz seines Lebens in den letzten beiden Jahren des 1. Weltkrieges für Deutschland kämpfte. Diese Informationen schrieb mir sein Sohn, Ernest Holzmann, ein Enkel von Iwan Weinstock, der heute in den USA lebt. Von ihm wissen wir jetzt auch, dass alle Kinder von Iwan Weinstock dem Holocaust entkommen konnten.

Ein Name war uns früher bekannt: Frieda Philipp, geb. Weinstock. Sie ist die 2. Tochter von Iwan Weinstock. Deren Namen kennen wir aus dem Verzeichnis von Yad Vashem, überlebte den Holocaust. Sie bezeugte die Deportation und Ermordung ihres Vaters in Theresienstadt.

Frieda Philipp taucht in einer Liste von Zwangsarbeiterinnen in Berlin auf. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte hier: In dem jüdischen Museum in Berlin sind die Fotos der Zwangsarbeiterinnen der Firma Ehrich und Graetz zu sehen, darunter auch das von Frieda Philipp. Mr. Holzmann erzählt von ihr, dass sie erstmal zusammen mit ihrem Mann Hugo und den beiden Kindern Walter und Kurt die oberen Räume der großen Wohnung ihrer Eltern bewohnten. Von ihr berichtet ein Artikel aus den Erlanger Nachrichten. Wie aus dem ganzen Artikel erkennbar ist, sind die Behauptungen der Journalisten reine Schikanen jüdischen Mitbürgern gegenüber und billige Propaganda. Leider hatten sie damals schon manipulierende Wirkung. Ich kann mir vorstellen, dass Eltern leiden, wenn ihren Kindern so viel Boshaftigkeit unterstellt wird, und dass Iwan Weinstock sehr gelitten hat. Er war damals 73 Jahre alt und hätte es verdient gehabt, seinen Lebensabend in Ruhe zu genießen und es im Kreise seiner geliebten Familie zu beschließen.

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Erinnerungen von Ernest Holzmann, eines Enkels von Iwan Weinstock

Ernest Holzmann emigrierte mit dem letzten "Kindertransport" über Frankfurt nach London und lebt heute in den USA in Louisiana. Er hat uns dieses Foto geschickt. Es wurde vor 10 Jahren in Erlangen aufgenommen.

Über dessen Herkunftsfamilie haben wir oben schon ein wenig erzählt.

Ernest Holzmann schreibt, dass alle Mädchen der Familie Weinstock einen sehr großen Vorteil hatten, vermögende Eltern zu haben, die ihnen eine gute Schulbildung in Deutschland und auch in der Schweiz ermöglichten. Nelly (Cornelia) studierte Jura, um Richterin zu werden, Lilly studierte Musik. Sie war die erste Klavierlehrerin von Ernest Holzmann und pendelte zwischen Erlangen und Nürnberg, um ihm Klavierunterricht zu geben, als er 7 Jahre alt war. Er teilt weiter mit, dass seine Großeltern ihr einen wunderschönen Flügel kauften, der in dem Haus der Familie Weinstock in Erlangen bis zur Pogromnacht im November 1938 gut gepflegt wurde. Weiter erinnert er sich: "Als ich mit meiner Mutter dort war, konnte ich es unberührt in einem hervorragendem Zustand sehen, während alle anderen Möbel und Eigentum von den Nazis in der "Kristallnacht" zertrümmert und zerstört waren (möglicher Weise steht er noch heute bei einer Erlanger Familie)." Es ist anzunehmen, dass er recht haben könnte, denn wie bereits aufgeführt, wurden in Erlangen viele jüdische Wohnungen geplündert (s. hier).

Ernest Holzmann erzählt, wie er und seine Familie den Nationalsozialismus erlebt haben. Seine Eltern und seine beiden Brüder, Gerd und Hans, entkamen 1939 nach Bolivien. Er selbst kam im Zuge eines "Kindertransportes" nach England.

Für ihn war diese Zeit sehr schlimm. Seine Familie lebte in einem sechsstöckigen Hochhaus in der Gibitzenhofstraße 31 im Süden von Nürnberg. In diesem Haus waren sie die einzige jüdische Familie unter 11 nichtjüdischen Familien. Er bekam nichts von den Geschehnissen in der "Reichskristallnacht" (Pogromnacht) mit, von dem was seinem Großvater in Erlangen passierte oder seine jüdischen Freunde und Nachbarn erleiden mussten.

Als er am nächsten Tag nichts ahnend zur Schule fuhr, sah er im Zentrum Nürnbergs Menschenmengen vor jüdischen Geschäften mit eingeschlagenen Scheiben, die ausgeplündert waren. Er wunderte sich, dass keine Polizei das Eigentum schützte. Weil er eine Deutschschulaufgabe an diesem Tag schreiben musste, hatte er keine Zeit stehen zu bleiben und fuhr direkt in die Schule. Während er die Schulaufgabe schrieb, kam der Turnlehrer, der an seiner Schule für die Nazipropaganda zuständig war, in das Klassenzimmer und sprach kurz mit dem Deutschlehrer. Er war der einzige jüdische Schüler an der Schule. Daraufhin machte sich der Lehrer eine Notiz, kam langsam auf seinen Tisch zu und legte diese über seine Arbeit. Darauf stand: "Wenn du fertig bist, geh nach Hause!" Danach fragte er den Lehrer, ob etwas zu Hause passiert sei, ob er am Montag wiederkommen soll. Er bekam keine Antwort, sondern nur: "Du kannst doch lesen, was auf dem Zettel steht. Das ist alles, was ich dir sagen kann."

Danach ging er gleich nach Hause und fand seine Mutter sehr beunruhigt vor, weil seine Brüder nach Hause kamen, aber sein Vater nicht. In der Schule seiner Brüder waren jüdische Schüler, die Horrorgeschichten über die Vorgänge der Nacht erzählt hatten. Sie erzählten, dass Nazihorden mitten in der Nacht gekommen waren und die Familien terrorisierten. Zum Beispiel schnitten sie mit ihren Messern die Federbetten der Kinder auf und verboten den Kindern aufzustehen und die Betten zu verlassen.

Bevor er nach Hause kam, hatte seine Mutter schon versucht, ihren Vater zu erreichen, aber niemand ging ans Telefon. Am späten Nachmittag kam dann endlich sein Vater nach Hause. Er erzählte ihnen, was er im Zentrum Nürnbergs gesehen und erlebt hatte. Die Familie Holzmann blieb in ihrer Wohnung und vertraute darauf, dass ihnen, umgeben von nichtjüdischen Familien, nichts passieren würde. Ernest Holzmann schreibt: "So haben wir ängstlich die Nacht verbracht und gehofft und gebetet, dass wir nicht überfallen würden, wie so viele andere."

Die Ängste und Sorgen waren berechtigt. Das belegt folgender Zeitungsartikel aus den Nürnberger Nachrichten vom 9. 11. 2008.

Samstags erfuhr seine Mutter von Erlanger Freunden, dass ihr Vater in Polizeigewahrsam war. Am nächsten Tag begleitete er sie nach Erlangen. Er sah mit seinen eigenen Augen die unvergesslichen Szenen der Zerstörung im Hause seines Großvaters. Die Türen waren mit Äxten eingehauen, die Möbel, Bilder, das Porzellan, alles war zerstört bis auf den Flügel seiner Tante Lilly. Dieser stand unversehrt im Wohnzimmer. Für Ernest Holzmann sah es offensichtlich so aus, dass er von den Nazihorden, die sonst alles zerstört hatten, weggebracht werden sollte. Er und seine Mutter konnten den Großvater an diesem Tag nicht sehen, weil die Polizei ihnen erklärte, dass er unter Arrest stehe. Seine Mutter sorgte sich, dass Iwan Weinstock einen Herzinfarkt bekäme, wenn er seine zerstörte Wohnung sehen würde. Ernest Holzmann erinnert sich: "Wir mussten zurück nach Nürnberg. Mein Großvater sollte am nächsten Tag entlassen werden. Wir ließen ihm ausrichten, dass er zu uns nach Nürnberg kommen solle. Aber er ging trotzdem zuerst zu seinem Haus, sah die Zerstörung und hat alles überstanden, als der wunderbare Mann, der er war. Er erkannte jedoch, dass er keine andere Wahl hatte, als Erlangen zu verlassen und zu uns zu ziehen."

Bald darauf musste Familie Holzmann in ein Judenhaus in der Güntherstraße, nahe dem Luitpoldhain, ziehen. Dort wurde ihnen ein kleines Appartement zugewiesen, in das ebenfalls sein Großvater und sein Cousin Walter Philipp einzogen.

Die Mutter von Mr. Holzmann wollte schon längere Zeit nach Amerika emigrieren. Sein Vater aber glaubte, dass die Deutschen Hitler loswerden könnten und sich die Situation normalisieren würde. Doch die Reichspogromnacht und das, was in der Woche mit seiner Familie passierte, änderte dessen Meinung. Da Ernest Holzmann der älteste Junge der Familie war, war er am gefährdetsten. Für ihn ergab sich dann die Möglichkeit mit dem "Kindertransport" über Frankfurt nach London zu emigrieren, wo er zwei Wochen vor dem Angriff auf Polen ankam. Seine Eltern flohen mit seinen 2 Brüdern Ende 1939 über Italien nach Bolivien zu Verwandten, die schon früher geflohen waren.

Iwan Weinstock blieb im jüdischen Altersheim. Die Großmutter von Ernest Holzmann starb in Apolda in Thüringen, kurz nachdem die Familie Deutschland verlassen hatte. Seine Tante Erna blieb in Apolda. Der bereits angeordneten Deportation zog sie den Suizid vor.

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Wie hat Ernest Holzmann seinen Großvater, Iwan Weinstock, erlebte?

Gerne wollten wir wissen, was für ein Mensch Iwan Weinstock war und baten Ernest Holzmann, ihn zu beschreiben: "Iwan Weinstock was one of the most loving persons I have ever known." (Iwan Weinstock war einer der liebevollsten Menschen, die ich jemals kannte.) In verschiedenen Geschichten, die er aus seinem Leben erzählt, z. B. seine Hochzeitsreise mit seiner Frau Amalia nach Hamburg, versucht er die Persönlichkeit Iwan Weinstocks zu entfalten. Demnach war er ein sehr geduldiger, liebevoller und geradliniger Mensch. Wenn jemand in seiner Umgebung nicht so funktionierte, wie er sich das wünschte, wurde er nicht böse. Nein, er versuchte dann selbst anzupacken, so dass alles für ihn stimmte. Ernest Holzmann konstatiert: "Yet NEVER A HINT OF ANY COMPLAINT!!!" (Doch niemals war irgendeine Spur einer Klage). Obendrein berichtet er uns über das, was er liebte: Er liebte es, jeden Sonntagmorgen das Hamburger Hafenkonzert zu hören in seinem wunderbar kostbaren Radio. Immer, wenn Ernest Holzmann seinen Großvater besuchte, hatte er große Freude daran, es anzuhören mit ihm oder ohne ihn. Nur wenn der Großvater dann mal nicht dabei war, drehte als er junger, neugieriger Mann gerne an den Knöpfen, um zu sehen, was er sonst noch finden könnte - in Hilversum oder was auch immer. Daraufhin hatte ihn sein Großvater immer ermahnt, es doch nicht zu tun, aber immer wieder "war es zu verführerisch, das "Universum" Radio zu erforschen". Nie hatte Iwan Weinstock seinen Neffen bestraft, nie ausgeschimpft, sondern ihn lediglich gebeten, es das nächste Mal nicht zu tun.

Was weiß er über ihn im Alter? Dazu schreibt er: "He never changed - and I am sure he also never changed under the pressure of the Nazi thugs who held him prisoner in Erlangen or Theresienstadt: "He was ALWAYS a friend to those around him, but especially family."(Er hatte sich niemals verändert - und ich bin sicher, er hatte sich nicht unter dem Druck der Naziverbrecher, die ihn in Erlangen oder Theresienstadt festhielten, verändert: Er war IMMER ein Freund allen um ihn herum, besonders seiner Familie.

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"Der Herr ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten. Der Herr ist die Kraft meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen? (...)

Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des Herrn im Land der Lebenden.

Hab festen Mut und hoffe auf den Herrn!"

Aus Psalm 27

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