Als die Geschäfte jüdischer Mitbürger 1938 geplündert wurden, lebten noch 44 Juden in Erlangen. Die Synagoge in der Einhornstraße wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 zerstört und geplündert.
Begonnen hat alles schon sehr viel früher. Die in Erlangen ansässigen Juden, 1933 noch 120, wurden schon vor 1933 mit Schimpfwörtern bedacht. Justin Wild, geboren 1906 erinnert sich daran, dass ihm Mitschüler (nach 1912 bereits) folgendermaßen beschimpften: "Judenstinker, hep, hep, hep, Schweinefleisch ist fett, fett, fett; Sauerkraut ist gut - o, du stinkiger Jud". (Ausstellungskatalog 1984, S. 19) Bereits 1933 standen SA-Posten vor den Läden Erlanger Juden, um deutlich zu machen, dass Deutsche nicht mehr bei Juden einkaufen dürfen. Überall wurde bespitzelt, beobachtet und selbst in den eigenen Familien musste man aufpassen, was man sagte. Die Ausgrenzung war im vollen Gange. Und unter diesen Umständen ergriff sicher keiner mehr Partei für die 44 Erlanger Juden, deren Existenz in der Pogromnacht zerstört wurde.
Mitte 1939 mussten alle Erlanger Juden ihre Häuser verlassen und in die "Judenhäuser" umziehen. Schauen wir uns das am Beispiel der Familie Benesi genauer an.
Dieses Bild stammt aus glücklicheren Tagen und wurde am 22. 1. 1931 aufgenommen als Jakob Benesi die Jüdin Gottliebe Katz heiratete.
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In der Pfarrei St. Bonifaz hat man zur Erinnerung an alle Kriegsopfer diese Gedenktafel angebracht. Der genaue Text lautet: "Zum Gedenken an alle ungenannten Opfer von Krieg, Flucht und Vertreibung: + die gefallen, vermisst oder verschollen sind + die Opfer von Bombenangriffen oder Terroranschlägen wurden + die in Massengräbern verscharrt wurden + /+++ von Rassenhass und gottloser Ideologie, + in KZs, Arbeits- oder Vernichtungsslager ermordet wurden + die ungerecht zum Tode verurteilt oder hingerichtet wurden + die aus Verzweiflung ihrem Leben ein Ende setzten". Die Gedenktafel befindet sich an der Seite neben der Statue, die Maria zeigt, wie sie ihren toten Sohn beweint. Ich bin mir sicher: Sie beweint auch alle im Holocaust umgebrachten jüdische Brüder und Schwestern. (D. Weier) |
Wilma Katz wurde 1873 im Wrbizan, ehmals Böhmen, geboren und kam nach ihrer Eheschließung mit dem Fotografen Simon Katz 1892 nach Erlangen. Sie hatten zwei Töchter: Hildegard und Gottliebe. Beide sind in Erlangen geboren. Simon Katz betrieb in Erlangen ein Fotogeschäft "Atelier für moderne künstlerische Photografie und Kunst-Anstalt". Er starb 1927 und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Erlangen beerdigt. Seitdem führte Wilma Katz das Geschäft weiter und wurde später von ihrem Schwiegersohn, Jakob Benesi, einem gelernten Fotografen unterstützt. Der persönliche Besitz von Wilma Katz wurde in der Pogromnacht gestohlen oder zerstört, die Wohnung verwüstet. Sie konnte sich nicht wehren, weil sie, wie alle jüdischen Bürger in Erlangen, seit dem frühen Morgen des 10. November 1938 im Innenhof des damaligen Rathauses (heute Palais Sutterheim) festgehalten wurde, wie man beschönigend sagte: "In Schutzhaft genommen." Gottliebe Benesi, die jüngere Tochter der Eheleute Katz, wurde 1906 in Erlangen geboren. Sie hatte mit Jakob Benesi drei Kinder: Erich (1931 geboren), Hildegard (1933 geboren) und Hannelore (1935 geboren). Die jüdisch-katholischen Eltern ließen ihre Kinder in St. Bonifaz in Erlangen von Prälat Neundorfer katholisch taufen. Das bemerkenswerte daran ist, dass die jüdische Tante Hildegard Taufpatin sein durfte. Sie lebten das Leben einer gutbürgerlichen Familie und feierten auch Weihnachten. Der Sohn Erich ging 1941 in St. Bonifaz zur Kommunion. Durch den Erlass der "Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben" 1938 wurde der Familie die Existengrundlage genommen. Niemand konnte mehr unbeschwert dort einkaufen. Die Behandlung von Oberlehrer Schmidt war beispielhaft. Bald danach begannen die "Arisierungsverhandlungen", bei deren Durchführung das gesamte Anwesen der Familie geräumt werden musste. Nachdem 1939 das "Gesetz zur Neuregelung der Mitverhältnisse für Juden" inkraft getreten war, musste die Familie in ein sogenanntes Judenhaus umziehen, in die Raumerstraße 11. Sie durften nur noch zu bestimmten Zeiten in bestimmten Geschäften einkaufen. Ab 20 Uhr durfte kein Jude mehr auf der Straße sein. So vieles wurde ihnen verboten. Der Eingriff in das persönliche Leben war massiv. Sie durften keinen Friseur mehr aufsuchen. Radios und Telefone waren für die Juden verboten, genauso wie der Kauf einer Zeitung. Zwei Jahr später durften sie auch keinen Bus und keine Eisenbahn mehr benutzen. Das Halten von Haustieren wurde ihnen untersagt. 1941 mutete man ihnen zu, alle entbehrlichen Kleidungsstücke abzugeben. Später bekamen sie keine Lebensmittelmarken mehr für Fleisch, Fisch, Obst, Milch und Eier. Ab dem 15. 9. 1941 hatten alle Juden, die älter als 6 Jahre waren, einen "Judenstern" zu tragen. In der Reichspogromnacht wurde das Fotogeschäft von Jakob Benesi geplündert und ausgeraubt. Auch die Wohnung in der Raumerstraße musste die Familie Benesi 1942 aufgeben und nach Fürth übersiedeln. Am 18. 6. 1943 wurden Gottliebe Benesi, ihr Mann und ihre drei Kinder nach "Ostland evakuiert". Sie kamen in Ausschwitz ums Leben. Als Sterbedatum wurde der 8. 5. 1945 angegeben, das Datum, an dem der Krieg endete. Am 27. 7. 1959 wurde die Familie dann endgültig für tot erklärt. |