Wichtige jüdische Persönlichkeiten der Stadt Erlangen

Aufgehalten hatten sich 1861 in Erlangen schon Studenten und später bedeuteten Wissenschaftler an der Universität.

Aus: Juden und Judenpogrom 1938

Eingeschrieben war David Morgenstern aus Büchenbach, das damals nicht zu Erlangen gehörte. Er war 1834 Jurastudent in Erlangen nach dem Besuch des Humanistischen Gymnasiums. Er wurde sogar das erste jüdische Mitglied des Bayerischen Landtages (1849-1855). Er wird Teilhaber an der Spiegelglas und Folienfabrik seines Bruders Josef in Forchheim, die er 1861 übernimmt. Derweil war David Morgenstern in Fürth ansässig, wo er 1882 starb und dort auf dem Israelitischen Friedhof beigesetzt wurde. (Juden und Judenpogrom, S. 25)

Aus: Juden und Judenpogrom 1938

Auch Jakob Herz, geboren 1816 in Bayreuth, begann 1835 sein Studium in Medizin und schloss dieses 1839/41 mit der Dissertation "Beiträge zur Lehre von den Verkrümmungen des Fußes" ab.

1854 wird sein Antrag auf Habilitation u. a. mit dem Hinweis auf seine Zugehörigkeit zur jüdischen Religion abgelehnt.

1859 bezieht er ein Haus in der Heuwaagstraße

1863 wird er zum außerordentlichen Professor ernannt.

1867 wird Jakob Herz Ehrenbürger der Stadt Erlangen mit der Begründung: "Seine große Nächstenliebe und edle Selbstlosigkeit" (aus der Würdigung des damaligen Bürgermeisters Dr. Papellier)

1869 wird er zum ordentlichen Professor der Anatomie ernannt. Er ist der erste jüdische Professor einer bayerischen Universität.

1871 stirbt Prof. Dr. Jakob Herz in Erlangen und wird auf dem Israelitischen Friedhof in Baiersdorf beigesetzt.

1940 wird auf Anregung des Erlanger Oberbürgermeisters Alfred Groß die "Dr. Jakob Herz'sche Stipendienstiftung" wegen des jüdischen Namens in die "Vereinigte Stipendienstiftung für Studierende der Medizin" umgewandelt.

Aus: Juden und Judenpogrom, S. 26f.

Isidor Rosenthal kam 1872 als Professor der Physiologie nach Erlangen. 1877 erhält er auf Antrag das Bürgerrecht. Er engagiert sich politisch in der "Fortschrittlichen Volkspartei". Er setzt sich für den Bau des Erlanger Wasserleitungssnetzes ein und ist maßgeblich an der Errichtung des Schlachthofes beteiligt, fördert die Schaffung von Bildungseinrichtungen. 1906 wird er zum Ehrenbürger der Stadt Erlangen ernannt. 1908 erhält er den Titel "Königl. Geheimer Hofrat". 1915 stirbt Professor Isidor Rosenthal und wird auf dem städtischen Zentralfriedhof beigesetzt, weil er aus der jüd. Religionsgemeinschaft ausgetreten war.(s. Juden und Judenpogrom, S. 29).

Max Noether wurde 1875 zum außerordentlichen Professor für Mathematik an die Universität Erlangen berufen. Er heiratet Ida Kaufmann aus Köln. Die vier Kinder des Ehepaares Noether werden in Erlangen geboren. 1888 erhält Max Noether das Ordinariat für Mathematik an der Universität. Er wird 1917 zum "Geheimen Hofrat" ernannt. 1920 tritt er aus der israelitischen Gemeinde aus und wird evangelisch. 1921 stirbt er in Erlangen und wird im Krematorium in Nürnberg eingeäschert.

Emmy Noether wird 1882 als Tochter des Ehepaares Noether geboren. Sie ist die erste Frau, die in Erlangen promoviert. 1904 beginnt sie ihr Studium der Mathematik in Erlangen. 1919 habilitiert sie sich in Mathematik an der Universität in Göttingen. Sie tritt ebenfalls 1920 aus der israelitischen Religionsgemeinschaft aus und wird wie ihr Vater evangelisch. 1922 erhält sie die Ernennung zur außerordentlichen Professorin und erhält ab 1923 einen Lehrauftrag mit geringem Einkommen. 1933 fällt sie unter das NS-Gesetz "Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums". Die Lehrerlaubnis wird ihr entzogen. Als Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, als Pazifistin und wegen ihrer jüdischen Herkunft wurden ihr dieses Verbot ausgesprochen. Sie emigriert noch im selben Jahr in die USA und übernimmt dort eine Gastprofessur an einer Frauenhochschule in Pennsylanien. 1935 stirbt sie unerwartet nach einer Operation. Albert Einstein widmet ihr in der "New York Times" einen Nachruf. (s. Juden und Judenpogrom, S. 29)

Allerdings waren solche herausragende Persönlichkeiten in Erlangen eher die Ausnahme.

Qelle: Juden und Judenpogrom 1938 in Erlangen. Veröffentlichungen des Stadtmuseums Erlangen, Nr. 40, 1994

Startseite