Die neue jüdische Gemeinde
Impressionen von der neuen Synagoge Die Redaktion des "Tintenklecks" besucht die neuen Gebetsräume in der Hindenburgstraße Was sonst noch wichtig ist.. Vom neuen Leben erzählt der Friedhof
Neue jüdische Gemeinde in Schwierigkeiten
Für jedes Problem findet sich eine Lösung

 

Versprengt in alle Welt waren die Überlebenden des Holocaust aus Erlangen. Niemand von den emigrierten Juden kam nach Ende des 2. Weltkrieges hierher zurück. vereinzelt jüdische Zuwanderer, oft unerkannt oder nur vorübergehend, in Erlangen hängen geblieben. In den 70er Jahren schien ihre Zahl so weit gewachsen zu sein, dass Dr. Shlomo Lewin, die Neugründung einer Gemeinde plante. Als Publizist und Mitherausgeber der Zeitschrift NER TAMID hatte er einen hohen Bekanntheitsgrad. Er diente der Nürnberger Kultusgemeinde als Rabbiner. Zusammen mit einem Nürnberger Freund hatte er bereits eine Satzung für die geplante Erlanger Gemeinde entworfen. "Doch alle Pläne erloschen, als Shlomo Lewin, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke (Ehefrau des Bürgermeisters Michael Poeschke, Anm. d. R.), am 19. Dezember 1980 ermordet wurde. (...) Der erwähnte Freund bewahrte aber die damals entworfene Satzung". So beschreibt es Pfarrer Gottfried Lindenberg in seinem ganz persönlichen Bericht "Wieder jüdisches Leben in Erlangen."

Und wie begann es wirklich? Es lebten in Erlangen noch einige wenige Juden. Und dann kam die Zuwanderung aus den GUS-Staaten, die sogenannten Kontingentflüchtlinge. "Wie kann das bloß zugehen, dass jüdische Zuwanderer in eine Stadt kommen, in der es keine jüdische Gemeinde gibt?", stellte der Fürther Rabbi Wurmser fest. Und so kam dann der Stein ins Rollen. Es fanden erste Versammlungen statt, über die in der Presse berichtet wurde. Der Freund von Dr. Lewin, Herrn Josef Jakubowicz aus Nürnberg, las darüber und engagierte sich zusammen mit Frau Rose Wanninger, eine in Erlangen lebende Jüdin. Sie kontaktierten die nach Erlangen gekommenen jüdischen Russen mit der Intention eine neue Gemeinde ins Leben zu rufen. Schließlich kam es am 1. Dezember 1997 zur Gründung des IKG (Israelitischen-Jüdischen-Kultus-Gmeinde) Erlangen e. V.. Noch stellte die Stadt keinen Raum zur Verfügung, weil die jüdischen Einwanderer noch nicht fest in Erlangen wohnten. Der Bürgermeister empfahl einen Verein einzurichten, damit eine Verhandlungsbasis vorhanden sei. So war die Gemeinde zunächst ein Verein. Die Neugründung wurde interreligiös unterstützt.

Die erste Feier dieser neuen Gemeinde war eine Beschneidung in einem Raum des Frankenzentrums. Das erste öffentliche Fest war 1998 das Sukkot-Fest, zudem ein Stadtratsmitglied der Grünen und bekennender Atheist eigenhändig eine Laubhütte auf einer Wiese neben dem Frankenzentrum aufbaute.

Ein Raum war aber noch nicht da. Dann aber veröffentlichte die Stadt eine von ihr finanzierte Annonce: "Raumlichkeiten für die jüdische Gemeinde gesucht." So kam die neue Synagoge in die Hauptstraße 34, die am 2. April 2000 samt Nebenräumen eröffnet und die in Israel neu gefertigte Torarolle eingebracht wurde.

Mitfinanziert wurde die Ausgestaltung durch die Stadt und durch viele Spenden auch von christlichen Gemeinden.

Einer, der wesentlich an der Neugründung beteiligt war, erzählt...

Das große Ereignis: Die Einweihung

Bild von der Einweihung der Synagoge in der Hauptstraße 34. Hier ist der Zug, der feierlich die Tora in die angemieteten Räume bringt. Die Einweihung erfolgte im Beisein aller jüdischen Bürger Erlangens, der Vertreter der christlichen Kirchen und des Oberbürgermeisters durch Rabbi Wurmser.

Impressionen von der neuen Synagoge

So sieht der Eingang zur Synagoge aus, eingebetet in dieses schöne Bild, gestaltet von dem russischen Künstler,Olek Kusenko aus St. Petersburg, der eigens dazu von der neuen jüdischen Gemeinde eingeladen wurde.

Das ist der Aufenthaltsraum, an dem der Shabbat begonnen wird. Im Blick haben wir den Tisch mit Wein und Kelch für den Vorsteher. Wir waren freitags in der Synagoge.

Ein Blick über die Bima auf den Toraschrank, der sich hinter dem kunstvoll bestickten Vorhang befindet. Der Vorhang wurde von Frau Natalja Zhytnytska in mühevoller Handarbeit gestickt.

Links ist die neue Torarolle und rechts die alte. Das Toraschild ist neu und kostet um die 50.000 Euro. "Gestiftet von Familie Jakobuwitsch zum Andenken an Shlomo Salman ben David Elijahu Levin, der am 14. Tevet 5741 (19. 12. 80) ermordet wurde (...) und mitfinanziert durch viele Spenden", kann man in einer Schautafel lesen.

Die alte Tora wurde im 2. Weltkrieg nach Amerika gebracht. Die in die USA emigrierte Familie Fleischmann gab sie an die neue jüdische Gemeinde zurück. Sie müsste repariert werden, was sehr teuer und aufwendig ist.

Dieses Bild ermöglicht einen Blick in den künsterlisch gestalteten Gebetsraum der Männer. Der Raum der Frauen fällt dagegen sehr einfach aus. Frau Klaus (links im Bild) erklärt, dass einfach die Farbe nicht mehr reichte und der Künstler inzwischen Erlangen verlassen hat.

Wichtige Lichter in einer Synagoge: Links der neunarmige Leuchter, der nach genauer Vorschrift gebaut werden muss. In der Mitte ist die Königskerze. Rechts das "Ewige Licht", das immer für die Verstorbenen brennt - vergleichbar mit dem "Ewigen Licht" in den katholischen Kirchen, das auch an die Gegenwart Gottes erinnert.

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Am Sonntag, dem 27. 6. 04 hat die neue jüdische Gemeinde beschlossen, die Religionslehrerin, Frau Goldbaum, zu engagieren, die jüdische Kinder der Gemeinde in die Kultur einführen soll. Die jüdischen SchülerInnen der Erlanger Schulen können ab jetzt immer donnerstags in der Synagoge den jüdischen Religionsunterricht besuchen und müssen nicht mehr in den Ethikunterricht. Die Noten für den Religionsunterricht werden an die Schulen weitergeleitet. Der Unterricht erfolgt nach der Genehmigung und den Richtlinien der religiösen Unterweisung an bayerischen Schulen durch das Kultusministerium.

Was sonst noch wissenswertes über die neue jüdische Gemeinde zu sagen wäre..

Wir wurden bei dem Besuch in der neuen Synagoge von Frau Klaus freundlich mit Shalom begrüßt. Natürlich waren wir neugierig auf Frau Klaus und ihr Leben als Jüdin. Frau Klaus hat 5 Jahre in Frankreich gewohnt und ist dann mit ihrem Mann wieder nach Erlangen gezogen. Sie ist Musiklehrerin. Ihr Vorname ist Ester. Sie war nicht immer Jüdin, sondern wurde evangelisch getauft. Ihr wurde von einem Teil ihrer Großeltern die jüdische Kultur übermittelt. Ihr Taufname war Elisabeth. Eigentlich wollte sie das hebräische "Elisheva" für Elisabeth bei der Aufnahme in die jüdische Gemeinde beibehalten. Als sie in der Purimwoche übertrat, wählte sie in Anlehnung an die biblische Heldin Ester ihren Namen, aus deren Buch in dieser Woche gelesen wurde. Warum Frau Klaus Jüdin wurde? "Dieser Glaube ist meine Wurzel." Sie erzählte uns nicht nur sehr viel über die neue Gemeinde, die Synagoge, sondern auch über die Ernährung - über das, was man unter koscher versteht. Immer wieder erklärte sie Redewendungen in unserer Sprache. "Das ist nicht ganz koscher" bedeutet: Das ist nicht ganz in Ordnung - die Angelegenheit ist nicht ganz sauber.

Wie wird man Jude oder Jüdin? Frau Klaus erklärte, dass die Kinder einer jüdischen Mutter Juden sind. Ist der Vater Jude, dann ist das Kind nicht Jude, weil man nur den Nachweis der direkten Abstammung bei der Mutter genau erbringen kann. Man kann aber der jüdischen Gemeinde beitreten. Dazu muss man erst sehr viel über die jüdische Religion lernen.

"Und Ihre Kinder, sind die Juden?", fragten wir nach. "Ja, sicher sind sie Juden", bestätigte Frau Klaus. Am 8. März wurde der Enkel von Frau Klaus in Erlangen beschnitten, allerdings nicht in der Synagoge, sondern bei sich zu Hause.

Wir spürten, dass dieser Glaube ihre Heimat ist. Eine Führung mit ihr ist nur empfehlenswert.

Natürlich mussten unsere Jungs Kippa tragen. Ein Brautpaar, das hier Hochzeit feierte, hatte diese Kippa der neuen jüdischen Gemeinde gestiftet.

In Erlangen leben zur Zeit etwa 100 Bürger jüdischen Glaubens. Es sind vorwiegend ältere Menschen, darunter drei Familien mit Kindern. Es gibt viele Mischehen. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde ist Frau Rose Wanninger, die die Gründung der neuen jüdischen Gemeinde sehr unterstützt hat. Sie ist erste Ansprechpartnerin und führte uns über den jüdischen Friedhof.

In der neuen jüdischen Gemeinde werden alle Feste gefeiert. Jeden Freitagabend trifft man sich, um den Shabbat zu feiern. Auch das Shabbatbrot wird gebacken.

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Die "Tintenklecks"-Redaktion besichtigt die neuen Räume in der Hindenburgstraße

Shalom - ein hebräisches Wort für Friede

So in etwa lautet die Überschrift über den Artikel, den wir in der letzten Tintenklecksausgabe lesen konnten. Aus aktuellem Anlass besuchte die Redaktion die jüdische Gemeinde in ihren neuen Gebetsräumen. Für die Erlaubnis, diesen Aritkel im Wortlaut hier veröffentlichen zu dürfen, danke ich der Redaktion ganz herzlich.

"Am 02.02.1944 hieß es in der Erlanger „Judenstatistik“: „Erlangen ist judenfrei!“ Dieser lapidare Vermerk bringt das ungeheuerliche Ausmaß an unbeschreiblicher Menschenverachtung, Rassenwahn, Hass und Feindschaft zum Ausdruck, das das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte kennzeichnet. Unvorstellbares Unrecht geschah auch bei uns in Erlangen –
80 Frauen, Kinder und Männer wurden verschleppt, gequält, ermordet – nur weil sie Juden waren.
1943 wurde die letzte Erlanger Jüdin deportiert - und erst 57 Jahre später, am 2. April 2000, konnte die Einweihung eines neuen jüdischen Gemeindezentrums mit einem Betsaal in der Stadtmitte (Hauptstraße 34) gefeiert werden. Dort konnte die Gemeinde jedoch aus Platz-gründen nicht bleiben. Sie zog deshalb am 9. März 2008 in die Hindenburgstr. 38 um.
Wir, die Redakteure der Schülerzeitung „Tintenklecks“ der Hermann-Hedenus-Hauptschule, besuchten als erste Schulklasse überhaupt die neue„Blaue Synagoge“, die ihren Namen nach der Synagoge in Safed/Israel erhielt.

Wir sprachen aus diesem Anlass mit Frau Ester Klaus, der 1. Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen e. V.

Glauben Sie, dass jüdische Menschen, die überlebt haben - ganz gleich, wo sie jetzt wohnen - den Deutschen jemals verzeihen, was sie ihnen Schreckliches angetan haben?
Ich denke, die meisten nichtjüdischen Deutschen haben gewusst, was mit ihren jüdischen Mitbürgern passiert, auch wenn alle das schreckliche Ausmaß wohl nicht begriffen haben. Viele waren sicher „Mitläufer“, fühlten sich mit dem Gedankengut Hitlers verbunden, weil sie bereits in jungen Jahren damit indoktriniert wurden, z. B. in der Hitlerjugend oder im Bund Deutscher Mädel. Vielleicht hatten einige auch Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie für Juden Partei ergriffen hätten. Es hätte jedenfalls ungeheuren Mut erfordert, nicht wegzusehen und nicht zu schweigen, sondern - wie auch immer - zu helfen; damit hätte sich ja jeder selbst in Lebensgefahr gebracht!
Doch es ist trotzdem für manchen von uns sehr schwer, nicht nachtragend zu sein; die meisten, die überlebt haben, haben Angehörige oder Freunde auf grausamste Weise z. B. in Zwangsarbeiterlagern oder in Konzentrationslagern verloren.
Manche Juden hegen einen ewigen Groll, weigern sich Deutsch zu sprechen oder ihren Fuß auf deutschen Boden zu setzen, werfen den Deutschen jüdischen Glaubens sogar vor, hier zu leben und zu arbeiten. Manche wollen gar nicht an diese schreckliche Zeit erinnert werden.

Ich glaube aber, dass sich insgesamt das Verhältnis zwischen Juden und Nichtjuden verbessert hat, was sicher auch an manchen Organisationen liegt, z. B. an den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit oder an der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Sie informieren in vielerlei Veranstaltungen – nicht nur zur Woche der Brüderlichkeit -, unterstützen und helfen, wo es nur geht. Es ist wichtig, aufeinander zuzugehen, miteinander zu sprechen, in das Leben der anderen „hinein zu schnuppern“; es ist von großer Bedeutung, dass die Neugier aufeinander befriedigt wird – gerade bei jungen Leuten -, denn nur so lassen sich Vorurteile abbauen, lassen sich Verständnis füreinander und gegenseitiger Respekt aufbauen. Das sind die Grundlagen für ein friedliches Miteinander von Nichtjuden und Juden! Haben Sie Angst vor Neonazis? Ja, Angst begleitet leider unser Leben und belastet uns. Unser Gemeindezentrum ist zwar auf vielerlei Weise gesichert und wird von der Polizei überwacht, doch wir wurden schon mit anonymen Briefen bedroht. Erst letzte Woche kam wieder ein solcher Brief, der nun von der Polizei untersucht wird.

Auf die Straße vor meinem Haus wurden ebenfalls schon antijüdische Parolen gesprüht – das Schlimmste für mich war, dass sich in der Nachbarschaft niemand daran gestört hat, niemand hat die Polizei benachrichtigt – alle haben wieder weggesehen!

Schrecklich war der Mord an Shlomo Lewin vor nun fast 30 Jahren. Der Verleger, langjährige Geschäftsführer der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Mittelfranken und Vorsitzende der Israeltischen Kultusgemeinde Nürnberg wurde zusammen mit seiner Lebensgefährtin Frida Poeschke in ihrem Haus in der Ebrardstraße erschossen. Man vermutete zwar den oder die Täter in der neonazistischen Szene, doch der Mord konnte bis heute nicht aufgeklärt werden. Angst haben wir aber auch vor Terroristen, die der El Kaida nahe stehen.


Wie viele Mitglieder hat eigentlich die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen e. V.?
Woher kommen sie?

Die Jüdische Kultusgemeinde Erlangen wurde schon am 01.12.1997 gegründet. Sie besteht momentan aus etwa 120 Mitgliedern (davon sind 60 % 60 bis 80 Jahre alt), darunter etwa
15 bis 20 Kinder. Etwa fünf sind Holocaust-Überlebende; die meisten Mitglieder kommen jedoch aus den GUS-Staaten; sie sprachen bei ihrer Ankunft kein Deutsch und erst recht nicht Hebräisch. Es war und ist sehr schwierig für diese Menschen, sich hier einzugewöhnen - die deutsche Sprache zu lernen braucht sehr viel Zeit! In der ehemaligen Sowjetunion konnten die Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Erlangen e. V. auch nicht in ihre Religion hinein wachsen; die Ausübung war nicht geduldet.
So müssen hier nun alle erst einmal die Wurzeln ihres jüdischen Glaubens suchen und die jüdischen Sitten und Gebräuche lernen.

Gäste – auch anderen Glaubens - sind immer herzlich Willkommen, ebenfalls zum gemein-samen Essen im Kidduschraum, das nach dem G’ttesdienst stattfindet.

Zum Mitfeiern liegen für sie Gebetbücher in deutsch-hebräischer sowie russisch-hebräischer Sprache bereit.

Die G’ttesdienstordnung ist unseren Mitgliedern ebenfalls fremd gewesen. Jeden Freitagabend, zum Schabbat-Anfang bei Sonnenuntergang halten wir einen etwa halbstündigen G’ttesdienst in hebräischer Sprache ab, am Samstagmorgen einen etwa zweistündigen mit Thora-Lesen. Dazu liegen zweisprachige Siddurim (= Gebetbücher) aus; sie enthalten Stücke aus der Thora, aus den Psalmen und Lobpreisungen in kyrillischen Buchstaben und hebrä-ischer Lautschrift. So soll das Mitlesen und damit das Mitfeiern des G’ttesdienstes erleichtert und ermöglicht werden, denn die Gemeinde nimmt ja aktiv an Gebeten, Gesängen und wechselseitigem Rezitieren teil.
Die Integration in die eigene Religionsgemeinschaft ist ein langwieriger, oft recht schwieriger Prozess! Die Atmosphäre während eines G’ttesdienstes ist – trotz der festlichen Schabbat-Kleidung - recht leger. Kinder dürfen herum laufen und auch schon ´mal schwätzen, wenn es nicht stört. So langweilen sie sich nicht. Es besteht keine Anwesenheitspflicht; nur Kinder, die von der Bamberger Religionslehrerin (die mehrere jüdische Gemeinden betreut) unterrichtet werden und eine Note im Religionsunterricht haben wollen, sollten daran teilnehmen.
Übrigens kann ein G’ttesdienst nur durchgeführt werden, wenn mindestens zehn religiös mündige Männer (= Minjan) anwesend sind. Sie müssen älter als 13 Jahre alt und Barmizwa (das ist so eine Art Konfirmand) sein. Ein Vorbeter (= jeder, der Hebräisch sprechen und lesen kann) oder ein Rabbiner bzw. eine Rabbinerin (davon gibt es jedoch nur wenige) leiten den G’ttesdienst.

Was gehört in die Einrichtung jeder Synagoge?
Das Wort Synagoge stammt aus dem Griechischen und bedeutet Betsaal oder Versammlungsraum oder Ort, wo sich zehn Männer versammeln, um die Thora zu lesen. Beim Betreten fällt z. B. am rechten Türrahmen ein kleines Kästchen auf, die Mesusa. Sie enthält die ersten beiden Abschnitte des jüdischen Glaubensbekenntnisses; damit wird das Haus dem Schutze G’ttes anvertraut.
Die Sitzordnung ist in fast allen Gemeinden gleich: Die männlichen G’ttesdienstbesucher haben ihren Platz im Hauptraum , um die Bima (= das Lesepult auf einem erhöhte Platz, das mit einem Geländer umgeben ist) herum, dem heiligen Schrein zugewandt; sie tragen eine Kopfbedeckung (= Kippa), zu bestimmten Ge-betszeiten einen Gebetsriemen (= Tefillin) sowie, wie manche Frauen ebenfalls, einen Gebetsschal (= Tallit).

Die Frauen sitzen von den Männern getrennt in einem Seitenraum, der - wie in Erlangen – meist mit einem Vorhang oder durch Gitterstäbe vom Hauptraum getrennt ist. Die Thora, das sind die fünf Bücher Mose, werden in einem kunstvoll geschmückten Schrein an der Ostwand (also in Richtung Jerusalem) aufbewahrt; häufig befindet sich darüber der Davidstern (= sechszackiger Stern aus zwei ineinander verflochtene Dreiecken als Symbole für Schöpfung, Offenbarung, Erlösung, G’tt, Welt, Menschheit) oder ein kreisrundes Glasfenster zur Markierung der Ausrichtung. Die Thora wird von eigens ausgebildeten Schreibern (= Sofer) auf Pergament geschrieben; früher wurde sie um einen einzigen Stab gewickelt, heute sind es meist zwei Stäbe. Sie sind ebenfalls reich verziert, oft mit kleinen Glöckchen, die beim Herumtragen der Thora erklingen. Außerdem ist die Thora in edle Stoffe gehüllt und mit einem Wimpel (= Mappa) fest umwickelt. Die Thora–Krone bildet den oberen Abschluss der Rollen. Beim Vorlesen wird die Thora nicht mit der Hand berührt, sondern mit einem besonderen Zeiger (= Jad). Im Bereich des Thoraschreines hängt das Ewige Licht (= Ner Tamid) von der Decke herab, außerdem steht dort auch das Pult des Vorbeters (= Chasan). Von der Bima aus kann die Thora-Lesung ebenfalls erfolgen.

Bitte beschreiben Sie kurz die wichtigsten Unterschiede und Gemeinsamkeiten der jüdischen, islamischen und christlichen Religion!

Natürlich gibt es Unterschiede in den Religionen, z. B. die Speise- und Klei-dungsvorschriften, die Feiertage mit ihren besonderen Geboten, die Feste, wie Hochzeit, Beerdigung, Beschneidung (statt Taufe) mit ihren bestimmten Vorschriften, die Ordnung des G’ttesdienstes u. ä. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten bzw. Ähnlichkeiten, wie z. B. die Ausrichtung von Synagoge und Moschee nach Osten, einige Beerdigungsriten bei Juden und Muslimen, das Tragen einer Kopfbedeckung bei männlichen Juden, Muslimen und u. a. katholischen Bischöfen, das Ewigkeitslicht bei Juden, Muslimen und Katholiken, das Alte Testament bei Juden und Christen usw. Alle Religionsgemeinschaften in Erlangen betonen diese Gemeinsamkeiten, indem z. B. Veranstaltungen gemeinsam durchgeführt werden.
Wir alle müssen uns nur immer wieder bewusst machen, dass die eigene Religion nicht die einzig richtige und nicht die allein selig machende ist – viele Wege führen nämlich zu einem Ziel! G. E. Lessing hat schon 1779 mit der sog. „Ringparabel“ in seinem „Nathan der Weise“ ausgedrückt, was wirklich wichtig ist: Nicht die Religionszugehörigkeit, sondern der Mensch selbst und das Wissen um den Glauben an einen gemeinsamen G’tt ! Vielen Dank für das Gespräch und Schalom!

P. S. Aus Ehrfurcht sprechen und schreiben jüdische Gläubige „Gott“ nicht aus, sondern benützen die Abkürzung G´tt. Wir haben für unseren Artikel diese Schreibweise übernommen."

Die Fenster der Synagoge sind mit Hinterglasgemälden verziert – sie zeigen die 12 Stämme Israel, hier von Reuben und Simeon mit ihren „Logos“ Festung und Blumen.

Frau Klaus zeigt, wie eine Torarolle gelesen wird.

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Manchmal ist das Glück nur von kurzer Dauer!

Vom neuen jüdischen Leben in Erlangen zeugen neue Gräber auf dem jüdischen Friedhof

Das ist ein neues Grab auf dem jüdischen Friedhof. Wie zu sehen ist, werden auf jüdischen Gräbern keine Blumen gepflanzt. Ein Besucher bringt einen Stein mit, so wie das üblich ist und legt ihn auf dem Grab ab.

Hier ruht ein Mann aus den GUS-Staaten, der nach Erlangen kam und Mitglied der neuen jüdischen Gemeinde war.

Verstirbt jemand aus der jüdischen Gemeinde, so wird er möglichst schnell beerdigt, meist noch am gleichen Tag. Weil bei uns viele Behördengänge erforderlich sind, ist eine so schnelle Beerdigung nicht möglich.

Gleich am Eingang befindet sich das Tahara-Haus, ein Haus der Totenwache. Dort wurden die Verstorbenen früher gewaschen. Heute wird das in der Pathologie durchgeführt.

In dem Haus wohnt jetzt zeitweise die Familie Kilian, die den Friedhof pflegt.

Beim Verlassen des Friedhofs wäscht man sich die Hände. Und ein Segen wird dabei gesprochen: "Gelobt seist du, Gott, König der Welt, der uns geheiligt hat durch seine Gebote und befohlen hat, Hände zu begießen."