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"Sich regen bringt Segen", so lautet ein altes arabisches Sprichwort und meint: Wer ehrlich und kontinuierlich arbeitet, wird ein segensreiches Leben haben, d. h. ein ertragreiches Leben. Segen bedeutet gemeinhin Wohlstand oder ein gutes Leben. Religiös bedeutet Segen "Gottes Geleit auf dem Lebensweg". Für Juden ist der Segen Gottes immer sehr wichtig. Bei vielen Anlässen wird ihnen der Segen Gottes zugesagt. Das Sprichwort: "Sich regen bringt Segen" stammt aus dem arabischen Sprachraum und war sicherlich den Juden des Alten Testamentes bekannt. Sich regen bedeutet, dass man fleißig sein muss, um erfolgreich zu sein. Wie das Verhältnis der Juden zur Arbeit im allgemeinen aussah, können wir im Alten Testament nachlesen. Juden waren, wie es gemeinhin bekannt ist, fleißige Leute und brachten es meist zu einem mehr oder weniger soliden Wohlstand. Ob aber der Spruch: "Sich regen bringt Segen" für Juden zutraf? Dieser Frage möchten wir in dieser Seite, unter besonderer Berücksichtigung der Erlanger Geschichte, nachgehen. |
| Will
man das Verhältnis der Juden zu ihrer Arbeit verstehen, dann muss man
in den Schriften nachlesen.
Juden waren ja weitgehend erfolgreiche Leute, die es häufig zu Wohlstand brachten. Die Schriften zeigen an verschiedenen Stellen, dass Menschen an 6 Tagen der Woche durchaus intensiv arbeiten sollen, um dann am 7. Tag der Woche eine Ruhephase einzulegen: Ex. 20,8 - 11: "Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tag darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet und ihn für heilig erklärt. S. auch Ex. 31,12-17: 14: Wer ihn (den Sabbat) entweiht, soll mit dem Tod bestraft werden.“ Es gibt viele Stellen in den Büchern Mose, die davon erzählen. Diese sei exemplarisch herausgegriffen. Diese Stelle besagt, dass Menschen es Gott gleichtun sollen – auch er arbeitete 6 Tage und legte dann eine kreative Pause ein, in der man auch seine Gottesbeziehung pflegen sollte. Arbeitete man am Sabbat, so entweihte man ihn – und später wurde dies sogar unter Todesstrafe gestellt. Die
bäuerliche Kultur der Juden forderte sogar ein Ruhejahr : Lev 25,11-12:
"Dieses fünfzigste Jahr gelte euch als Jubeljahr. Ihr sollt
nicht säen, den Nachwuchs nicht abernten, die unbeschnittenen Weinstöcke
nicht lesen. Denn es ist ein Jubeljahr, es soll euch als heilig gelten.
Vom Feld weg sollt ihr den Ertrag essen. In diesem Jubeljahr soll jeder
von euch zu seinem Besitz zurückkehren." Und weiter ab Vers
20: "Wenn ihr aber fragt: Was sollen wir im siebten Jahr essen, wenn
wir nicht säen und unseren Ertrag nicht abernten dürfen? Seht,
ich werde für euch im sechsten Jahr meinen Segen aufbieten, und er
wird den Ertrag für drei Jahre geben.“ Folglich war es immer gut für den Erfolg,dass an den Werktagen gearbeitet wurde, aber auch, dass ein Ruhetag wirklich eingehalten werden musste, an dem man sich ausruhen und neue Kräfte für die kommende Woche sammeln konnte. Der
Erfolg der Arbeit, also der Segen Gottes für den Alltag, was ja Wohlstand,
Gesundheit und ein gelingendes Leben umfasst, hing eng mit der Gottesfurcht
zusammen: Psalm 128, 1-4: "Wohl dem Mann, der den Herrn fürchtet
und ehrt und der auf seinen Wegen geht. Wie
ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau drinnen in deinem Haus. Worin liegt jetzt die Zuwendung Gottes? Alles menschliche Tun und der damit verbundene Erfolg ist letztendlich ein Geschenk Gottes. Gott bietet jedem Menschen dieses Geschenk an. Er möchte, dass jeder genug zu seinem Lebensunterhalt hat. Im Buche Kohelet steht dazu: "Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich, und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt, wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenkt Gottes ist.“ Koh 3,12-13. Die persönliche Gottesbeziehung war wichtig, damit die Arbeit zum Segen wurde. Die Geschichte des Josef im Alten Testament erzählt davon.
Josef wird von seinen Brüdern, die auf ihn eifersüchtig waren, nach Ägypten verkauft. Zudem wollten sie vermeiden, dass die Träume des Josef wahr werden können. Nach diesen sollten sie sich vor Josef verneigen. Josef verlor nie sein Vertrauen zu Gott in all seiner Not. Josef war oft in Not:
Sein Vertrauen zu Gott war so stark, dass er nie verzweifelte und aus jeder Situation das Beste machte. Selbst im Gefängnis fiel er durch Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit gegenüber den Gefangenen auf. Sein Vertrauen zu Gott wurde genährt durch seine Träume. Die Menschen glaubten, dass Gott zu den Menschen im Traum spricht. Und die Träume des Josef verhießen ihm, dass er für sein Volk und für die Ägypter zum Segen werden würde. Beispiel: "Josef bei Potifar (Gen. 39,3-6) „Und Potifar sah, daß Gott der HERR mit Josef war; denn alles, was er tat, das ließ der HERR in seiner Hand glücken, so daß er Gnade fand vor seinem Herrn (Potifar) und sein Diener wurde. Der setzte ihn über sein Haus; und alles, was er hatte, tat er unter seine Hände. Und von der Zeit an, da er ihn über sein Haus und alle seine Güter gesetzt hatte, segnete der HERR des Ägypters Haus um Josefs willen, und es war lauter Segen des Herrn in allem, was er hatte, zu Hause und auf dem Felde. Darum ließ Potifar alles unter Josefs Händen, was er hatte, und kümmerte sich, da er ihn hatte, um nichts außer um das, was er aß und trank.“ Willst du überprüfen, was du weißt? Josef Schenkt Gott wirklich jedem das, was er zum Leben braucht? Ja! Aber es werden Menschen von anderen ausgebeutet oder übervorteilt. Auch diese Dinge geschahen im Judentum. Darum ermahnen immer wieder die Propheten zur Gerechtigkeit: Sich nach dem Willen Gottes auszurichten, ist Recht und dann ist das möglich, was z. B. Jesaja in seiner Vision schreibt: „Sie werden Häuser bauen und selbst darin wohnen, sie werden Reben pflanzen und selbst ihre Früchte genießen.“ (Jes 65,21f). Im Zeitalter Jesu gab es viele Arme in Palästina. Armut wurde von Hohen Priestern und Schriftgelehrten als Folge einer schweren Verfehlung angesehen. Armut entstand meist dann, wenn Menschen keinen gerechten Lohn für ihre Arbeit erhielten, oder wenn Bauern ihres Landbesitzes beraubt wurden. Jesus, auch ein Jude, stellte sich eindeutig auf die Seite der Armen: Hirten standen an seiner Krippe. Er fordert Gerechtigkeit, beispielsweise in der Geschichte vom Armen Lazarus ( Lukas 16, 19-31). |
Nach der Zerschlagung des Staates Palästina durch die Römer im Jahre 70 n. Chr., aber auch schon vorher, siedelten jüdische Bürger überall im römischen Reich. Josephus Flavius schrieb: "Sie sind schon fast in jeder Stadt des Erdkreises verbreitet, und man kann nicht leicht einen Ort in der Welt finden, der dieses Volk nicht beherbergte und in dem sie sich nicht niedergelassen hätten." (Kutur der Juden II, S. 9) "Sie überstanden fast unbeschadet den Zusammenbruch der antiken Staaten und ihrer Gesellschaftsordnung." (Kultur der Juden II, S. 1) Sie waren in der Antike eine "religio licita", eine mit Sonderbestimmungen zugelassene Religion, aber in ihrer Umwelt immer eine religiöse Minderheit. Im 4. Jh. wurden die Juden von Christen als Träger von Verheißungen angesehen. Das heißt, dass den Christen das Alte Testament mit den Verheißungen der Propheten wichtig waren. Später wurden sie als "Gottesmörder bezeichnet, weil man ihnen vorwarf, Jesus gekreuzigt zu haben. Man grenzte sie immer mehr aus. Im 8., 9., 10. Jahrhundert entstanden jüdische Gemeinden in West- und Mitteleuropa. Die Wanderung von Süd nach Nord erklärt sich mit der Bedeutung des jüdischen Handels für die Entstehung der städtischen Kultur. 1084 lädt der Speyrer Bischof Juden, besonders jüdische Kaufleute, in seine Stadt ein, um "den Glanz seiner Stadt vertausendfachen zu wollen". (s. Kultur der Juden II S. 12). 1090 gewährte Heinrich IV den Juden besondere Privilegien: Das Wormser Privileg:
Die Bestimmungen für die Wormser Juden wurden 1236 vom Hohenstaufen Friedrich II. auf alle Juden Deutschlands ausgedehnt. (s. Kultur der Juden II, S. 23f). Hauptsächlich waren Juden Händler. Schon zur Zeit Karls des Großen hatten die Juden sogar eine sehr entscheidende Bedeutung für den Fernhandel, denn Hebräisch war die einzige "Weltsprache". Überall galten für sie die gleichen Speise- und Reinheitsgestze, so dass sie überall ähnliche Lebensbedingungen vorfanden und sich schnell einleben konnten. Ludwig der Fromme stellte den Juden in der 1. Hälfte des 9 Jh. sogar Schutzbriefe aus. Damit damit standen sie unter dem Schutz des Kaisers und wer ihnen etwas antat, musste sich ihm gegenüber verantworten. Mitte des 12. Jh. aber wurde den Juden das Waffenrecht entzogen. So zogen sie aus Sicherheitsgründen immer mehr in die Städte. Hier wurden sie nach den Kreuzzügen unliebsame Konkurrenten christlicher Händler, die jetzt auch den Mittelmeerhandel bestreiten konnten und wollten. Man überließ ihnen als einzige Geschäftsmöglichkeit Geldgeschäfte und Pfandleihe. Aber gerade diese Geschäfte isolierten Juden immer mehr von ihrer christlichen Umgebung. Sie wurden sehr schnell als Ausbeuter gesehen. (s. Kultur der Juden II, S. 51) In der mittelalterlichen Gesellschaft konzentrierte sich also das jüdische Leben auf die Städte, und zwar auf Handel, sowie Gewerbe, Handwerk und Geldverleih. Das waren bewegliche Besitzstände, die sie schnell in Sicherheit bringen konnten, sollte ihnen Gefahr drohen. Gegen Ende des 12. Jh. wurde durch die Zünfte den Juden das Handwerk verboten. Die Geldgeschäfte waren andererseits Moslems und Christen verboten. Daher blühte das Geschäft mit dem Geldverleih. Selbst Kirchen und Klöster liehen bei Juden Geld. Doch im 13. Jh. setzte sich auch das Bankgeschäft bei den Christen durch. Jüdische wie christliche Geldverleiher mussten hohe Steuern zahlen. Heinrich III von England zog zweimal ein Drittel des jüdischen Vermögens ein. Edward I (+ 1307) ließ gar alle Juden verhaften und ihren Besitz einziehen. (s. Kaiser und Kalifen, s. 151). Juden waren auch die geschätztesten Ärzte im Mittelalter. Die Kirche sah die ärztliche Tätigkeit der Juden nicht gern und 1267 wurde ihnen die ärztliche Praxis bei Christen verboten. (s. Kaiser und Kalifen, S. 151) Die Feinschaft zwischen Juden und Nichtjuden hatte auch im Mittelalter schon ihren Grund in der wirtschaftlichen Konkurrenz und in der Eifersucht auf den Erfolg jüdischer Bürger. Der Beginn des Antisemitismus hat hier seine Wurzeln. Je mehr Christen in den Fernhandel und in das Geldgeschäft einstiegen, umso größer wurde der Hass auf die jüdische Konkurrenz. Der Antisemitismus wurde schließlich religiös begründet. So schwor Gottfried von Bouillon (1096-1099), dass er Christi Blut an den Juden rächen wollte. (s. Kaiser und Kalifen, S. 152). Im 14. Jh., als die Beulenpest wütete, warf man den Juden vor, die Brunnen vergiftet zu haben. Weil diese sich streng an hygienische Vorschriften halten mussten, waren sie weniger krank. So ging eine Welle der Judenverbrennung durch Mitteleuropa, wobei nicht selten auch Schuldscheine mitverbrannt wurden. "Diese Beschuldigung (Brunnenvergiftung) diente vielen Judenfeinden als Vorwand, sich - mit Duldung des Königs - ihrer jüdischen Gläubiger mit brutalster Gewalt zu entledigen". ( Juden und Judenpogrom, S. 41) Auch in Würzburg und Nürnberg fanden damals Judenverbrennungen statt.( s. Kaiser und Kalifen, S. 165). Man nahm Juden, gestützt auf staatliche Autoritäten, alles weg: "In mehreren 'Entschuldungsaktionen' so 1385, 1390 und 1422 wurden die jüdischen Gläubiger zusammengetrieben, bedroht und erst wieder frei gelassen, wenn sie alle Pfandbriefe getilgt und ihr Hab und Gut, um ihr nacktes Leben zu retten, hergegeben hatten." (Juden und Judenpogrom, S. 42) Die Entschuldungsaktion von 1385 erbrachte der Reichsstadt Nürnberg eine Entschuldung von 80.000 Gulden und einen Reingewinn von 60.000 Gulden. (s.ebd.) Ab diesem Zeitpunkt bildeten sich Judenghettos. Viele Juden wanderten in dieser Zeit nach Polen und Litauen ab. Von den Ghettos erzählen noch Straßennamen wie Judengasse, Judenviertel usw. Literatur:
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Die Bedeutung der Juden für die wirtschaftliche Entwicklung Erlangens
Seit 1432 gibt es in Erlangen nachweislich eine jüdische Gemeinde. Bereits 1472 ist die Rede von einem örtlichen Rabbiner, dem Rabbi und Ackerbesitzer Vögelein. Juden durften also hier Land erwerben. Nur wenige Jahrzehnte später trifft sie ein willkürlicher Erlass: 1515 erhalten die Erlanger Juden das erste Ausweisungsmandat: "Nachdem uns auf dem jüngsten Landtag zu Baiersdorf manche Beschwerden gegen die Juden, die etliche Zeit in unserem Fürstentum gewesen, vorgebracht, namentlich, dass sie gegen viele Artikel der ihnen gegebenen Freiheiten gehandelt, befehlen wir nun, dass die Juden zwischen heute und Weihnachten aus dem Fürstentum zu ziehen haben.(...) Es soll aber kein Jude aus dem Lande gelassen werden oder sein Hab und Gut (...) verändern dürfen, er hätte sich denn vorher mit uns und mit allen unseren Untertanen (...) auseinandergesetzt." (Ausstellungskatalog, S. 17). Das bedeutet, dass die Juden, die Äcker und Land besaßen per Gesetz enteignet wurden. Ein Grund dafür liegt nahe: Irgendwer wollte sich bereichern. Erlangen wird jetzt eine "judenfreie" Stadt. Danach dauerte es lange, bis sich in Erlangen wieder Juden ansiedeln konnten, denn die Hugenotten, die 1711 in die Stadt kamen, ließen sich "für ewige Zeiten" festschreiben, dass in Erlangen und in seinen Vororten kein Jude sich niederlassen, einkaufen oder Felder bebauen durfte. Erst der Landtagsbescheid vom 10. 11. 1861 erlaubt den Juden in Bayern das Recht, sich in jeder Gemeinde, also auch in der Stadt Erlangen, niederzulassen und dort einen festen und dauerhaften Wohnsitz anzustreben. Allerdings wurde es Einzelnen erlaubt sich schon vorher in Erlangen aufzuhalten. (Ausstellungskatalog, S. 17). Die Ansiedlung von Juden in Erlangen begann schon in den vierziger Jahren des 19. Jh.. Im Verzeichnis des Stadtarchives kann man lesen:
Wenn man von jüdischen Bürgern Erlanges spricht, dann beginnt deren Geschichte also Mitte bis Ausgang des 19. Jahrhunderts. Damals veränderte sich die Struktur Erlangens. Von der Handwerker-, Bauern- und Universitätsstadt begann die Entwicklung hin zur Industriestadt mit Schwerpunkt auf hochtechnologische, medizinische Geräte. Universität und die Firma Siemens prägen heute noch das wirtschaftliche Bild der Stadt.
Die beginnende Industriealisierung Erlangens zog natürlich Arbeiter in die Stadt, die allerei tägliche Bedürfnisse zu decken hatten. Das begünstigte den Zuzug jüdischer Geschäftsleute. Diese verkauften unterschiedliche Dinge, wie Schnittwaren, Wäsche, Wolle und Leinen, Rauchwaren. Sie handelten mit Vieh und Hopfen. Die Viehhändler konnten natürlich im der landwirtschaftlich geprägten Umgebung in Erlangen gut arbeiten. Hopfenhändler waren deshalb viele in der Region, weil ringsum Hopfen angebaut wurde. Der Beruf starb mit dem vermehrten Anbau von Hopfen im Ausland unter viel besseren klimatischen Bedingungen aus. Wer mehr darüber wissen möchte, kann hier nachlesen. Der Handel mit Hopfen war Mitte des 19. Jh. fest in jüdischer Hand. Nürnberg, und hier macht sich die Nähe Erlangens zu Nürnberg bezahlt, war damals Weltmetropole des Hopfenhandels. Manche waren auch Mitinhaber von Firmen, wie Simon Bauer, der Mitinhaber der Frima "Gebrüder Bauer" am Theaterplatz 4/5. Julius Reinemann war Handschuhfabrikant. Salomon Stern war Fuhrwerksbesitzer. Ein Herr Weißmann war Buchbinder und besaß eine Druckerei. Simon Katz war Fotograf und besaß ein Fotogeschäft. Andere waren von der israelitischen Kultusgemeinde angestellt als Religionslehrer und Schochet. Sie waren gut integriert, d. h. sie lebten vorwiegend im gut bürgerlichen Milieu und gehörten in der Regel der Mittelschicht an.
Die jüdischen Bürger trugen durch ihren Fleiß, ihre Intelligenz und durch ihr sittsames Leben sehr zum Wohle der Stadt bei. Sie zahlten ihre Steuern, engagierten sich teilweise politisch und im 1. Weltkrieg kämpften sie für ihr Vaterland . Da immer nur ein Kind ein Geschäft übernehmen konnte, investierten jüdische Bürger viel Geld und Mühen in die Ausbildung ihrer anderen Kinder, die als gut ausgebildete Kräfte bei Reiniger arbeiteten, ein Handwerk erlernten oder in Banken arbeiteten. Natürlich ließen viele ihre Kinder studieren, die dann als Ärzte oder Rechtsanwälte arbeiteten. Quellen:
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Der nationalsozialistische Raubmord
Die Weltwirtschaftskrise in den zwanziger Jahren brachte Deutschland eine sehr hohe Arbeitslosigkeit und eine sehr hohe Armut. Die Nationalsozialisten bekamen immer mehr Einfluss. Nun griff ein wohl bekannter Mechanismus: Man brauchte einen Sündenbock und da boten sich den Nationalsozialisten die Juden an. Der Antisemitismus, der sich im Laufe der Geschichte immer vorhanden war, erhielt Auftrieb, wurde von den Nazis vorangetrieben.Dieser war ein wichtiger Bestandteil deren Regierungsprogrammes, mit dem Ziel, alle Juden im nationalsozialistischen Einflussbereich auszurotten. Dabei spielten sicherlich nicht nur ideologische sondern auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Dieses Mal hat man ihnen nicht einmal das nackte Überleben gelassen. Man hat ihnen alles genommen. Man hat mit allem Geld gemacht. Man hat ihre Arbeitskraft ausgebeutet. Wenn diese ausgeschöpft war, hat man sie umgebracht. Mit ihren Haaren polsterte man sogar Kissen oder Möbel aus, an ihren Goldzähnen bereicherte man sich. Man hat ihnen noch nicht einmal ihre Würde gelassen. Entblößt wurden sie umgebracht, ohne Rücksicht auf das Schamgefühl der zum Tode Bestimmten. Man stahl ihnen ihre Würde. Weitere Informationen hier: Vom blanken Zynismus zeugte, dass man eine sehr fleißige und wirklich segensreiche Bevölkerungsgruppe umbrachte, in dem man sie in Lager steckte, wo sie mit der Aufschrift: "Arbeit macht frei" begrüßt wurden. (Bei der Suche nach Bildern von Konzentrationslagern ist uns aufgefallen, dass sehr viel Missbrauch mit "Arbeit macht frei" betrieben wird, teilweise auch von Neonazis.) |
Der nationalsozialistische Raubmord in Erlangen An Erlangen ging die Weltwirtschaftskrise nicht vorbei. Darüber schreibt Ilse Sponsel: "Dass gerade jüdische Ladenbesitzer und Händler in den Jahren der wirtschaftlichen Not und Arbeitslosikgeit (1930/33) nicht nur aus Geschäftsinteresse, sondern aus Gemeinschaftsgefühl und Verantwortung großzügig waren und ihren Kunden zinslose Kredite gaben oder Waren borgten, wird von älteren Erlangern heute noch bekundet. Etliche ihrer Schuldner haben sich freilich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten dieser Toleranz nicht mehr entsonnen und sich später, vor allem in der sogenannten 'Reichskristallnacht' (9./10.November 1938), an diesen jüdischen Bürgern 'gerächt'." (Das Schicksal, S. 7) Juden litten zwar zu dieser Zeit genauso unter der Weltwirtschaftskrise wie alle anderen Geschäftsleute in Erlangen auch. Die Menschen hatten einfach kein Geld, um etwas zu kaufen. Aber dennoch hatten jüdische Familien ihr Auskommen. Ilse Sponsel vermerkt dazu: " Da die jüdischen Familien in Erlangen meist dem Mittelstand angehörten und Geschäfte besaßen, litten sie zwar auch unter der verringerten Kaufkraft der Bevölkerung, aber sie hatten ihr Auskommen. Damit erregten sie den Neid kleinerer Geschäftsleute und der vielen tausend Arbeitslosen, die damals ihre Familien nur mit dem Lebensnotwendigsten versorgen konnten." (Das Schicksal, S. 6) Eine Überschrift aus "Fränkischer Tagezeitung - Erlanger Beobachter", vom 7. 12. 1933" beschreibt die Situation so: "In Erlangen sind keine Geschäfte mehr zu machen". Weiter heißt es in dem Artikel: "In Erlangen hatten im allgemeinen die Juden äußerlich nicht viel zu bestellen. Ihren Einfluss übten sie meistens hintenherum über Judenknechte, als da anzusehen waren Presse, SPD, Demokratische Partei und durch ihre Logen aus. (...) Geschäfte sind nicht mehr viel zu machen und so beginnt nun die Abwanderung der Juden aus unserem fränkischen Potzdam. (...) Der jüdische Arzt Mose aus Wien wird ebenfalls bald Erlangen verlassen, da ihm die Zulassung zur Ortskrankenkasse entzogen wurde." Der Artikel zeigt, dass Erlanger Geschäftsleute bereits 1933 die Stadt verlassen haben. Ein fairer Wettbewerb war nicht mehr gegeben.
Jüdschen Bürgern, vor allem den Geschäftsleuten, wurde das Leben durch Schikanen schwer gemacht. Wie ging die Schikane vor sich? Ein Beispiel hat Ilse Sponsel beschrieben: "So erschien am 7. August 1931 der erste gezielte Angriff gegen einen jüdischen Geschäftsmann der Stadt, gegen Berthold Stern, den Inhaber des Konfektionsgeschäftes B. Lambert. Unter der Überschrift: 'Der Jude Stern macht Reklame' hieß es da: 'In der Hauptstraße der bayer. Universitätsstadt Erlangen hat ein Jude namens Stern,(...), seinen Laden aufgemacht. Kleider und 'schöne' Sächelchen verkauft er gerne an die dummen Gois ( jiddisches Wort für Nichtjuden). (...) Nun hat der Jude Stern in den letzten Tagen geglaubt, seine Reklame verbessern zu müssen. Und so hat er mit echt jüdischer Frechheit ohne jede Genehmigung einen Kleiderständer auf dem Fußsteig gestellt und an diesen seine 'Sächelchen' gehängt." (Das Schicksal, S. 7). Eine weitere Art der Schikane haben wir an dieser Stelle beschrieben. Situation in den Jahren 1933 -1938 Nach dem Brand des Reichtagsgebäudes in Berlin am 27. 2. 1933 wurde die Nazipropaganda gegen die Juden so aggressiv, dass ein Entkommen kaum mehr möglich war. Das "Zentralkomitee" zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze" setzte eine Boykott-Aktion gegenüber jüdischen Geschäften, Warenhäusern, Kanzleien und Arztpraxen in Gang. Auch in Erlangen gab es solche Boykott-Aktionen . Ilse Sponsel schreibt: "...traf diese öffentliche Aktion die Erlanger Juden doch besonders schwer. Denn die meisten jüdischen Familien lebten hier vom Handelsgeschäft..." (Das Schicksal, S. 11). Weiter schreibt sie: "Einen anderen Aspekt der Boykott-Aktion vom 1. April 1933 artikulierte der Erlanger Stadtrat in seinem Bericht an den Regierungspräsidenten von Ober- und Mittelfranken: 'Die Auswirkungen der jüdischen Greuelpropaganda im Ausland einerseits und die dagegen eingeleiteten Abwehrmaßnahmen andererseits haben sich bei einzelnen hiesigen größeren Betrieben bereits unangenehm fühlbar gemacht. So wurde festgestellt, dass infolge der jüdischen Greuelpropaganda Zahlungen aus dem Auslande für die Metallwarenfabrik Klebes & Mußgüller zurückgehalten werden und dass die für die Kartonagen- und Lederwarenfabrik Rüter & Co sowie die Schreibwarenfabrik Zucker & Co um diese Zeit üblichen Konjunkturaufträge vom Ausland ausblieben..." (Das Schicksal, S. 11). So wurden Juden für die allgemeine wirtschaftliche Not verantwortlich gemacht. Es wurde in Erlangen sogar eine Versammlung über das Thema: "Der Jude - der Totengräber des Mittelstandes" einberufen. Dort sprachen der Gauleiter Julius Streicher und der Präsident der Nürnberger Handelskammer, Max Lehr. Die Erlanger Neuesten Nachrichten (ENN) veröffentlichten ein Inserat, in dem stand: "Um die Erlanger Bevölkerung über das schändliche Treiben der Juden aufklären zu können, wird erwartet, dass dieselbe restlos erscheint". (ENN 26. 6. 1933, s. Das Schicksal, S. 13) Sicher haben das Erlanger Juden nicht einfach so hingenommen. Das klang dann so in den ENN: "Durch ein kürzliches Ereignis wird auch für Humor gesorgt. Der Inhaber des Konfektionsgeschäftes Lambert, der Jude Stern, fühlte sich so kräftig, dass er die Versammlung verbieten und Streicher nicht sprechen lassen wollte. Der Erfolg war, dass Stern heute in Schutzhaft sitzt. Die Antwort auf die jüdische Unverfrorenheit wird Streicher den Versammlungsbesuchern geben." (Das Schicksal, S. 13) Jüdische Bürger waren gegenüber einer solche Aggression und solcher Gewalt einfach nur ohnmächtig. Die Abwanderungswelle jüdischer Geschäftsleute wurde dadurch verstärkt. Bedingt durch diese Abwanderungswelle, veränderte sich das Stadtbild Erlangens. Jüdische Geschäfte verschwanden, was sicherlich nicht besonders auffiel, weil man ja eh nichts kaufen konnte. Augenzeugen, die in dieser Zeit etwa 14 Jahre Alt waren, versicherten, sich nicht mehr an jüdische Geschäfte erinnern zu können. Sicher ist, dass immer mehr Juden verarmten und auf Hilfe angewiesen waren. Selbst der von Max Hopfenmaier in Erlangen gegründete Wohltätigkeitsverein "Winterhilfe" musste sich den Gemeinden des Bezirksrabbinats Fürth anschließen, der dann mit Geld und Sachspenden verarmten Juden aushalf. Aus Geldmangel mussten bisherigen Gebetsräume aufgegeben werden. Auch die arischen Bediensteten jüdischer Geschäftsleute wurden unter Beschuss genommen. z. B. : "Der Inhaber des Modewarengeschäftes Weinstock (...) gab am 6. 12. 1935 zu Protokoll, dass er ein Gesuch mache, in dem er darum bitte, dass er die T. K. (die Webersfrau Therese Kamerer (...)), sie war hier vormittags von 8.00-11.00 Uhr als Zugehfrau tätig, bei sich weiterbeschäftigen dürfe, weil er doch nicht glaube, dass er als 76 jähriger Mann auf sexuellem Gebiete noch gefährlich sei und weil sich kein weiterer Mann als er in seinem Haushalt befinde." ( Das Schicksal, S. 17) Etwas priviligiert waren die Viehhändler. Das schreibt Ilse Sponsel: "... die bäuerliche Bevölkerung konnte nur bedingt für einen Boykott gewonnen werden. Denn sie befürchtete, meist zu Recht, dass die Viehpreise sinken könnten und "arische" Konkurrenten, von der Partei favorisiert, den Kaufpreis öfters nicht bar auf den Tisch zu legen vermochten." ( Das Schicksal, S. 16). Allerdings wurden sie auch überprüft und aufgelistet und nach und nach aus dem Gewerbe gedrängt. So gab es Ende 1938 keinen Vielhändler mehr in Erlangen, der seinen Beruf ausüben durfte. |
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Das Ende für jüdische Geschäftsleute in Erlangen 1938 - 1939 Der 9. und 10. November in Erlangen In der Reichspogromnacht begann der Raubzug. Damals waren noch 44 Juden in Erlangen registriert. Es erfolgte eine Verhaftungswelle.
So liest man in der Veröffentlichung des Stadtmuseums über Juden und Judenpogrom: " Die Abwesenheit der jüdischen Bevölkerung wurde auch in Erlangen ausgiebig für Plünderungen und Zerstörungen genutzt. Nach Augenzeugenberichten der Betroffenen begannen die Plünderungen etwa gegen 7 Uhr morgens (10. 11). Sie dauerten mit zeitweiligen Unterbrechungen bis in den späten Nachmittag hin. 'Manche Trupps rückten, mit Beilen ausgerüstet, in die Wohnungen der jüdischen Familien ein und verrichteten ihr Zerstörungswerk. Türfüllungen wurden ausgebrochen, Möbel zerschlagen und aus dem Foto- und Zigarrengeschäft Katz/Benesi/Laink-Vissig, Hauptstraße 2 flogen im hohen Bogen Fotoartikel, Zigaretten, Zigarren und Zubehör auf die Straße" (s.ebd., S. 71) Es waren nicht nur SA-Leute, die die Geschäfte ausräumten, sondern auch normale Bürger: "Bald gesellten sich auch Zivilpersonen dazu, auch Kinder." (s. ebd., S. 71) Man eignete sich teilweise einfach das an, was man vorfand: "Eine andere jüdische Familie in unserer Stadt wurde beim Pogrom ähnlich schwer heimgesucht wie die Katz-Familie: Sparkassenbücher, ein Herrenmantel mit Pelzkragen - weitergetragen und erst auf Vorhaltungen von Kennern des Kleidungsstückes an die Betreuungsstelle für jüdisches Eigentum zurückgegeben, Silberbestecke und Wertpapiere wechselten ebenso ungeniert 'die Besitzer' wie eine große Anzahl von Verkaufsgütern aus den im Hinterhaus befindlichen Lagerräumen. (...) Auch das Ehepaar Max und Anna Goldschmidt, Inhaber des Textilgeschäftes Tietz Nachf., Hauptstraße 23, wurde bestohlen und ausgeraubt. Hier hatten es die Täter besonders auf ein Sparkassenbuch über 3500 Reichmark abgesehen, das Max Goldschmidt, wohl ahnend, was passieren könnte, vor seiner Verhaftung in einem Ofen versteckt hatte. (...) Unter Spottreden und Hohngelächter der SA-Leute mussten die Vorsteher der Jüdischen Gemeinde und andere Juden die Wertsachen und Gebetbücher aus dem nahen Betsaal holen." (Juden und Judenpogrom, S. 72/73) Manche jüdische Geschäftsräume und Wohnungen wurden schnell arisiert, d. h. es zogen dort einfach andere Erlanger ein. Skrupel kannte man weitgehend keine. Viel wurde auch heimlich genommen. Man wollte sich ja nicht am "jüdischen Schand-Reichtum" bereichern. (s. Juden und Judpogrom, S. 73). Darum gelang es auch vereinzelt 'arischen' Dienstmädchen, Möbel, Porzellan und Wäsche der in Schutzhaft genommenen Juden in Sicherheit zu bringen, um es bis zu ihrer Rückkehr aufzuheben. Wie in allen Städten und Gebieten Deutschlands gab es auch in Erlangen hilfbsbereite Menschen, die zurückgekehrten Juden halfen und sie aufnahmen. Wir wollen den Geschehnissen ein Gesicht geben:
Eine wichtige Ausführung, Erlangen betreffend, findet ihr hier: Wir wünschen dem jüdischen Volk, dass für sie in Erfüllung geht, was der Prophet Jesaja in seiner Vision ankündigte:„Sie werden Häuser bauen und selbst darin wohnen, sie werden Reben pflanzen und selbst ihre Früchte genießen.“ (Jes 65,21f). Quellen:
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